Blizzard hat völlig überraschend eine neue Einzelspieler-Kampagne für Warcraft 3 veröffentlicht. Die Erweiterung mit dem Titel Forsaken Kingdom erschien ohne vorherige Ankündigung und ist ab sofort verfügbar. Es ist die erste neue Solo-Story für das Echtzeit-Strategiespiel seit der Erweiterung The Frozen Throne aus dem Jahr 2003 – also nach 23 Jahren. Für Fans der Reihe, die seit Starcraft II: Nova Covert Ops aus dem Jahr 2016 auf neuen Einzelspieler-Nachschub gewartet haben, dürfte das eine willkommene Überraschung sein.
Die neue Kampagne umfasst laut Blizzard rund 30 Stunden Spielzeit. Ein erster spielbarer Abschnitt ist der Prolog mit dem Titel Last Days of Lordaeron, der aus vier Missionen besteht. Er setzt genau an dem Tag ein, an dem Arthas aus Northrend zurückkehrt, um seinen Vater zu töten – einer der zentralen Wendepunkte der Warcraft-Geschichte. Der Spieler übernimmt die Rolle des neuen Helden Garek Bandarion, eines Wachleutnants, der sich durch das belagerte Andorhal und das verwüstete Stratholme kämpft, um seine Heimat vor der Geißel zu retten. Der Prolog gipfelt in einer Konfrontation mit Baron Rivendare und enthält zahlreiche Anspielungen auf Warcraft 3 und World of Warcraft.
Die Missionen setzen dabei auf neue spielerische Ideen. Die Belagerung von Andorhal etwa erinnert an MOBA-Mechaniken: Der Spieler muss Türme einnehmen, die in regelmäßigen Abständen verbündete KI-Soldaten spawnen, um die Karte zu erobern. In einem anderen Abschnitt müssen bestimmte Ziele gehalten werden, um Einheiten rekrutieren zu können, anstatt einfach das dazugehörige Gebäude in der Basis zu errichten. Stratholme wiederum ist nach dem Purge wie ein verschachtelter Dungeon-Crawl aufgebaut, bei dem zwei getrennte Gruppen koordiniert werden müssen – eine angeführt von Garek, die andere von dem elfischen Priester Ilastar Songbreeze. Erst gegen Ende der Mission vereinen sich die Truppen für den finalen Vorstoß.
In einer stark vorhersehbaren Wendung endet Gareks Konfrontation mit Rivendare tödlich. Er wird als einer der freien Untoten wiedererweckt und schließt sich den Forsaken an. Im Hauptteil der Kampagne, der als frei erkundbares, questbasiertes Abenteuer angelegt ist, erhält er Befehle direkt von Sylvanas und wird von ihrer Leutnantin, der Dunklen Waldläuferin Anya, begleitet. Ziel ist es, die Forsaken in der Unterstadt unter den Ruinen der Hauptstadt zu etablieren. Zudem ist bekannt, dass Garek zum ersten Forsaken-Paladin werden soll – eine ungewöhnliche Kombination, die bald auch in World of Warcraft spielbar sein wird. Wie genau sich dieser Wandel vollzieht, bleibt vorerst offen.
Forsaken Kingdom führt außerdem einen dritten Grafikstil für Warcraft 3 ein, die sogenannte Definitive Edition. Sie soll die Kritik am umstrittenen Reforged-Update von 2020 adressieren und das Spiel detaillierter und moderner wirken lassen, ohne das Originalgefühl zu verlieren. In Nahaufnahmen während Zwischensequenzen wirken viele Texturen flach und matte, teilweise fast unfertig, und die Beleuchtung bleibt veraltet. Im schnellen Spiel gegen die KI aus der Distanz funktioniert der Look jedoch überraschend gut: Einheiten und Gebäude erinnern an die Originalgrafik von 2003, nur mit höherer Auflösung. Vermutlich wird sich dieser Stil für Mehrspieler- und Custom-Partien durchsetzen.
Die neuen Grafiken sind allerdings ungleich verteilt. Die Forsaken-Kampagne lässt sich ausschließlich in der Definitive Edition spielen. Im Mehrspieler- und Skirmish-Modus können Spieler zwischen Classic, Reforged und Definitive Edition wählen. Die beiden alten Kampagnen Reign of Chaos und The Frozen Throne unterstützen dagegen nur Classic oder Reforged – nicht die neue Definitive Edition. Für Fans, die die Klassiker erneut erleben möchten, bleibt der neue Look damit vorerst verwehrt.