Frankreich wird Soldaten und Militärgerät nach Saudi-Arabien entsenden, um den Ölhafen Yanbu gegen Angriffe der Huthi-Miliz zu schützen. Das kündigte Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag im französischen Fernsehen an. Nach seinen Angaben sollen Radaranlagen und Verteidigungssysteme samt Bedienpersonal geliefert werden. Frankreich wolle sich «nicht an irgendeinem Konflikt beteiligen, sondern diesen Ort schützen», betonte Macron.
Der Hafen Yanbu ist für den saudischen Ölexport von zentraler Bedeutung. Dort endet die Ost-West-Pipeline, über die Rohöl von den Förderstätten am Persischen Golf zum Roten Meer transportiert wird. Diese Route ermöglicht es Saudi-Arabien, die Straße von Hormus zu umgehen, die seit Beginn des Iran-Krieges von Teheran de facto gesperrt ist. Die Huthi-Rebellen hatten im Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien im Roten Meer angekündigt und seitdem Ziele in dem Königreich angegriffen. Zudem übernahmen sie nach einer Blitzoffensive die Kontrolle über große Teile der jemenitischen Küste an der Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean verbindet. Diese Meerenge ist ein wichtiger Abschnitt internationaler Schifffahrtsrouten, insbesondere für den Export von saudischem Öl.
Macron erklärte, mit der Entsendung auf eine Entspannung an den Ölmärkten hinwirken zu wollen. Sollte sich die Lage beruhigen, werde sich dies «zwei Tage später an den Preisen an den Zapfsäulen zeigen». Auf die Frage, ob Frankreich auch Kampfflugzeuge schicken werde, sagte er: «Wir werden die Entwicklung beobachten und bei Bedarf handeln.»
Zu Beginn der Woche hatte sich bereits Großbritannien bereit erklärt, Saudi-Arabien militärisch gegen die Huthi-Angriffe aus dem Jemen zu unterstützen. Premierminister Andy Burnham sprach am Montag von einer «defensiven» Hilfe. Italien prüft ebenfalls die Entsendung von Kriegsschiffen ins Rote Meer, um italienische Handelsschiffe zu schützen.
Die Lage an den Ölmärkten bleibt angespannt. Medienberichten zufolge will das saudi-arabische Ölunternehmen Aramco im Oktober kein Öl nach Europa liefern, weil es nach einem Anschlag auf eine Pipeline zu Engpässen kommt. Die Rohölpreise waren zuletzt gestiegen, nachdem die alternative Exportroute über Yanbu von den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen mit Raketen angegriffen worden war.
Macron kritisierte einen möglichen US-Exportstopp für Diesel scharf. Er nannte ihn eine «schlechte Entscheidung», die nicht nur den Rest der Welt, sondern auch die US-Wirtschaft selbst treffen würde. US-Präsident Donald Trump hatte sich am Dienstag für einen Exportstopp ausgesprochen. Nach Angaben von Finanzminister Scott Bessent prüft die US-Regierung derzeit, «ob ein vollständiges oder teilweises Verbot funktionieren würde». Während der Ölkrise der 1970er Jahre hatten die USA ihre Rohölexporte weitgehend gestoppt, um die heimischen Preise zu senken.
Mit Blick auf die eigene Bevölkerung versicherte Macron, «alles zu tun», um eine Treibstoffknappheit an französischen Tankstellen zu verhindern. Derzeit sind vor allem die Total-Tankstellen von Engpässen betroffen, da das Unternehmen die Preise gedeckelt hat. Dies führt seit Wochen zu langen Schlangen vor den Zapfsäulen des Energiekonzerns.