Das erste Treffen zwischen Bundesaußenminister Johann Wadephul und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow seit Monaten hat international gemischte Reaktionen ausgelöst. Die Zusammenkunft am Rande der UN-Generalversammlung in New York beendete eine Phase der absoluten Funkstille zwischen beiden Regierungen, die nach Einschätzung von Beobachtern keiner Seite genutzt hatte. Doch von einer Annäherung kann keine Rede sein.
Die russische Presse reagierte scharf auf das Treffen. Kommentatoren warfen Deutschland vor, mit seinem Außenminister den «schwächsten Vertreter» der europäischen «Kriegspartei» entsandt zu haben. Diese Wortwahl macht deutlich, wie tief das Misstrauen in Moskau gegenüber Berlin inzwischen sitzt. Die russische Berichterstattung nutzt das Treffen, um die deutsche Position als schwach und inkonsistent darzustellen.
In Polen hingegen sorgt das Treffen für Irritation. Warschau, das zu den entschiedensten Unterstützern der Ukraine zählt, beobachtet die deutsch-russischen Kontakte mit Skepsis. Die polnische Presse wertet das Gespräch als potenzielles Signal der Aufweichung der westlichen Geschlossenheit gegenüber Moskau. Diese Sorge ist nicht neu, doch sie gewinnt durch das erste direkte Treffen auf Außenministerebene seit Langem neue Nahrung.
Das Treffen selbst verlief offenbar nicht ohne Provokation. Wie berichtet wird, legte Lawrow seinem deutschen Amtskollegen ein provokantes Schriftstück vor. Die Begegnung fand im Besprechungsraum der russischen Delegation im UN-Gebäude statt. Als Wadephul eintraf, lag bereits ein Dokument in englischer Sprache auf seinem Platz. Die symbolische Geste unterstreicht, dass Moskau das Treffen nicht als Zeichen der Entspannung, sondern als Bühne für eigene Botschaften nutzte.
Die Reaktionen im In- und Ausland sind gespalten. Während einige Beobachter das Ende der Funkstille als notwendigen Schritt begrüßen, überwiegt bei vielen die Skepsis. Die deutsche Regierung steht vor der schwierigen Aufgabe, einerseits den Dialogkanal offen zu halten und andererseits keine Zweifel an der Unterstützung für die Ukraine aufkommen zu lassen. Das Treffen hat diese Gratwanderung eher sichtbarer gemacht als erleichtert.
Die russische Seite nutzt die Begegnung indes für ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit. Die Darstellung, Deutschland habe einen schwachen Vertreter geschickt, dient dazu, die Bundesrepublik als wenig einflussreichen Akteur innerhalb Europas zu zeichnen. Für Moskau ist das Treffen damit weniger ein diplomatischer Fortschritt als ein propagandistischer Erfolg.
Für die betroffenen Regierungen bleibt die Lage angespannt. Das Treffen hat die bestehenden Gräben nicht überbrückt, sondern eher vertieft. Die Frage, ob derartige Kontakte künftig fortgesetzt werden, ist offen. Klar ist, dass die Erwartungen an eine schnelle Entspannung nicht erfüllt wurden. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland bleiben von tiefem Misstrauen geprägt.