Der neue britische Premierminister Andy Burnham hat der Ukraine bei seinem ersten Auslandsbesuch im Amt weitreichende Unterstützung zugesagt. London erlaubt dem Rüstungskonzern MBDA die Weitergabe geheim eingestufter Informationen, damit Kiew Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow künftig selbst produzieren kann. Die Freigabe für die britischen Komponenten ermögliche es der Ukraine und Frankreich, eine Fertigung im Land aufzubauen, erklärte Burnhams Büro in der Nacht.
Großbritannien stehe unerschütterlich an der Seite des von Russland angegriffenen Landes, und zwar „so lange wie nötig“, ließ Burnham mitteilen. „Russland sollte unsere Entschlossenheit nicht anzweifeln. Wir werden nicht aufgeben, bis es einen gerechten und dauerhaften Frieden gibt“, hieß es weiter. Die Sicherheit der Ukraine sei auch für die Sicherheit Großbritanniens wichtig. Die Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 250 Kilometern werden von Kiews Militär bereits eingesetzt, um präzise Angriffe weit hinter der Frontlinie auszuführen. In Großbritannien trägt das Geschoss den Namen Storm Shadow, in Frankreich Scalp.
Derweil meldet das ukrainische Militär neue Erfolge gegen russische Streitkräfte. Bei einem Angriff in der Nacht seien ein Kampfflugzeug vom Typ MiG-29 sowie zwei Schiffe im Schwarzen Meer getroffen worden, teilte der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, auf Telegram mit. Bei den getroffenen Schiffen handele es sich um einen Tanker und einen Massengutfrachter.
Bundesaußenminister Johann Wadephul will nach seiner Reise in die Ukraine am Montag mit seinem US-Kollegen Marco Rubio telefonieren und ihn zu einer neuen diplomatischen Initiative bewegen. Die US-Diplomatie sei bisher im Wesentlichen in den Händen der Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff gewesen, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Es gebe eine Reihe von Ländern mit engerem Kontakt zu Russland, darunter die Türkei, viele Golfstaaten und Ägypten. Mit ihnen spreche die Bundesregierung. „Russland wird sich militärisch nicht in der Art und Weise durchsetzen können, wie Putin das mal geplant hat. Das ist gescheitert“, so Wadephul. Er wolle den Herbst nutzen, um eine diplomatische Lösung zu finden, mindestens einen Waffenstillstand.
Bei einem russischen Angriff am Stadtrand von Charkiw im Nordosten der Ukraine wurden nach Angaben des regionalen Gouverneurs Oleh Synjehubow drei Menschen getötet. Rettungskräfte hätten acht Personen geborgen, von denen einige verletzt seien. Die Suche nach weiteren möglichen Opfern dauere an.
Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen forderte bei ihrem Besuch in Kiew mehr Patriot-Flugabwehrraketen für die Ukraine. „Sofern der politische Wille dazu da ist“, könnten westliche Länder durchaus mehr liefern, sagte sie dänischen Medien. Ohne bestimmte Länder zu nennen, warnte sie: „Wenn wir das nicht tun, steht der Ukraine ein Winter bevor, in dem die Russen unerbittlich zuschlagen, bombardieren – auch mit ballistischen Raketen – und viele Menschen töten werden.“ Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte wiederholt um dringende Lieferungen gebeten, da die Bestände aufgebraucht seien. Patriots sind bisher das einzige Mittel zur Abwehr ballistischer Raketen.
Der finnische Präsident Alexander Stubb, der ebenfalls zum Tag der Staatsflagge der Ukraine nach Kiew gereist war, berichtete von neu unterzeichneten Abkommen. Unter anderem habe die finnisch-norwegische Rüstungsfirma Patria ein entsprechendes Abkommen mit der Ukraine unterschrieben. EU-Ratspräsident António Costa sicherte der Ukraine zum Nationalfeiertag fortgesetzte Hilfe zu: „Wir werden die Ukraine weiter so lange und so umfassend wie nötig unterstützen.“