Hideo Kojima hat erstmals detailliert geschildert, wie Sony Interactive Entertainment die Finanzierung seines neuen Action-Espionage-Spiels Physint beendete. In einem Interview mit IGN erklärte der Metal-Gear- und Death-Stranding-Schöpfer, dass die Nachricht für ihn einem Schock gleichkam. «Sie sagten, sie können die Entwicklung von Physint nicht länger finanzieren. Ich war geschockt und sagte: Was haben Sie gesagt?», so Kojima. Er habe die Information zunächst nicht verarbeiten können.
Der Anruf ereignete sich im Juni per Zoom. Kojima befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer arbeitsreichen Phase, unmittelbar nach einem Prada-Event in New York und einem anschließenden Aufenthalt in Los Angeles. Wer genau ihm die Absage überbrachte, ließ Kojima offen. Auch die Gründe für Sonys Entscheidung nannte er nicht. Klar war für ihn jedoch, dass er schnell handeln musste, um sein Studio Kojima Productions mit rund 200 Beschäftigten zu schützen.
Zunächst wussten nur Kojima, Studio-Präsident Shinji Hirano und Talententwicklungsleiter Aki Saito von der Entscheidung. In den folgenden Monaten suchte Kojima nach einem neuen Partner für Physint. Schließlich sicherte sich Xbox die Finanzierung des Projekts. Trotz der angespannten Lage betont Kojima, dass er Sony nichts übel nimmt. «Ich habe keine schlechten Gefühle gegenüber Sony, weil ich weiß, dass es eine schwierige Zeit in der Spieleindustrie ist», sagte er.
Kojima Productions hatte bereits zuvor Spekulationen über die Hintergründe der Sony-Entscheidung zurückgewiesen. In einer seltenen Stellungnahme hieß es, man kommentiere normalerweise keine unbegründeten Gerüchte im Internet. Doch die Anschuldigungen hätten die Fans, kreative Partner und langjährige Kollegen erreicht. «Keine der Behauptungen stammt aus einer offiziellen oder zitierfähigen Quelle. Wir empfehlen, sie mit Skepsis zu betrachten», so das Studio. Hintergrund waren Berichte, wonach Death Stranding 2 kommerziell hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei und Kojima bei Physint Budgets überschritten sowie Termine verpasst habe. Der Journalist Jason Schreier, der diese Vorwürfe erhoben hatte, erklärte auf Bluesky, die Stellungnahme widerlege seine Berichterstattung nicht.
Physint wurde erstmals 2024 angekündigt und sollte ursprünglich 2030 erscheinen. Nach dem Ausstieg von Sony übernahm Xbox die Finanzierung. Auf der Tokyo Game Show präsentierte Kojima das Projekt und gab bekannt, dass Bill Skarsgård die Hauptrolle in dem Stealth-Action-Spiel übernehmen wird. Kojima arbeitet nach eigenen Angaben weiterhin an der Welt, dem Spielsystem, dem Szenario, den Visuals, dem Design und dem Schauspieler-Modeling. Welche Game-Engine zum Einsatz kommt, steht offenbar noch nicht fest.
Vor Physint wird Kojima Productions das Horror-Anthologie-Spiel OD veröffentlichen. Kojima beschrieb es kürzlich als Einzelspieler-Erfahrung, die so gruselig wie möglich werden solle. Er wolle die Grenzen des Machbaren im Horror-Genre ausloten. Die Zukunft von Physint bleibt trotz des Partnerwechsels unsicher, doch Kojima zeigt sich entschlossen, das Projekt mit Xbox fortzuführen. Sein Verhältnis zu PlayStation bezeichnet er weiterhin als stark.