Die Kremlpartei Geeintes Russland ist bei der dreitägigen Parlamentswahl in Russland erwartungsgemäß zur Siegerin erklärt worden. Nach Wahlnachbefragungen des staatlichen Meinungsforschungsinstituts Wziom kam die seit gut 20 Jahren regierende Partei auf 49,4 Prozent der Stimmen. Es handelt sich dabei nicht um amtliche Ergebnisse, sondern um Angaben von Wählern nach der Stimmabgabe.
Laut den Prognosen schafften auch die Kommunistische Partei mit 14,2 Prozent, die ultranationalistische LDPR mit 10,7 Prozent, die für ein liberales Großstadtpublikum gegründete Partei Nowyje Ljudi mit 9,7 Prozent sowie die Partei Gerechtes Russland mit 6,6 Prozent den Einzug in die Duma. Alle Parteien auf dem Wahlzettel gelten als kremltreu und unterstützen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Antikriegspartei Jabloko war von der Wahl ausgeschlossen worden.
Es war die erste Abstimmung in Russland seit Beginn von Putins Krieg gegen die Ukraine im Februar 2022. Der russische Präsident hatte die Bevölkerung aufgefordert, mit ihrer Stimme einen Beitrag zum Sieg in der seit mehr als vier Jahren andauernden Vollinvasion zu leisten. Für Geeintes Russland kandidierten Dutzende Kriegsveteranen. Die Partei war wegen der massiven Wirtschaftskrise, Kriegsmüdigkeit und Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit dem bisher schwierigsten Wahlkampf konfrontiert.
Die Wahlbeteiligung lag nach amtlichen Angaben mit mehr als 56 Prozent höher als 2021. Überprüfbar sind die Angaben der vom Kreml gesteuerten Wahlkommission nicht. Mehr als 110 Millionen Russinnen und Russen waren aufgerufen, 450 Abgeordnete für die neue Staatsduma in Moskau zu wählen. Die Opposition war nicht zugelassen.
Kritik an Wahlrechtsverstößen begleitete den Urnengang. Sowohl die erst zugelassene und dann doch vom Wahlzettel gestrichene Oppositionspartei Jabloko als auch die traditionell starken Kommunisten beklagten, dass ihre Beobachter zu Hunderten an der Kontrolle in den Wahllokalen gehindert worden seien. Staatsbedienstete berichteten über Druck, an der Wahl teilzunehmen. Wie bei früheren Abstimmungen gab es Berichte über das massenhafte Einwerfen vorausgefüllter Wahlzettel in die Urnen. Zudem beklagten viele Wähler, sie hätten keinen Wahlschein erhalten und seien ohne ihr Wissen für eine Online-Abstimmung registriert gewesen. Die Online-Abstimmung steht als intransparent und anfällig für Manipulationen in der Kritik.
Massive ukrainische Drohnenangriffe überschatteten den letzten Wahltag am Sonntag in Moskau und der Region. Laut Behörden handelte es sich um die schwersten Angriffe seit Beginn des Krieges. Die Leiterin der zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa, sprach von beispiellosen Attacken mit dem Ziel, die Abstimmung zu torpedieren. Versuche, die Wahl auch mit Cyberangriffen auf die Online-Abstimmung zu stören, seien gescheitert.
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin bezeichnete den Angriff als den massivsten auf die Hauptstadt, der aber abgewehrt worden sei. Er räumte ein, dass einige Drohnen das Gelände einer Ölraffinerie erreicht hätten. Auf Fotos waren Feuer und dunkler Rauch zu sehen. Im Moskauer Gebiet wurden mindestens drei Menschen getötet, Gouverneur Andrej Worobjow sprach von mindestens 20 Verletzten. Insgesamt seien 450 Drohnen im Anflug auf die Hauptstadt abgeschossen worden.
Kiew verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als vier Jahren gegen die großangelegte russische Invasion. Als Teil des Abwehrkampfes setzt die Ukraine auf Angriffe im russischen Hinterland, vor allem auf die für Moskaus Kriegskasse wichtige Ölindustrie.
Erstmals wurde die Wahl auch in den von Russland kontrollierten Teilen der annektierten ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson abgehalten. Die bereits 2014 einverleibte Schwarzmeer-Halbinsel Krim war zum wiederholten Mal dabei. Nach Darstellung Pamfilowas organisierten die Verantwortlichen trotz großer Gefahren einen reibungslosen Ablauf. Dennoch seien im russisch besetzten Teil der Region Cherson bei einem Drohnenangriff auf einen Bus zwei Menschen getötet worden, darunter ein Mitglied einer Wahlkreiskommission. Die Angaben lassen sich unabhängig nicht prüfen.