Kathleen Robertson ist derzeit in einigen der erfolgreichsten Serien im US-Fernsehen zu sehen. In der Amazon-Serie «Reacher» spielt sie Elspeth Sampson, eine Frau, die in jeder Szene Präsenz und Autorität ausstrahlt. In der CBS-Serie «Tracker» übernimmt sie die wiederkehrende Rolle der Maxine. Doch Robertson bleibt nicht nur vor der Kamera beschäftigt: Mit «Blessed Sacrament» entwickelt sie ihr nächstes großes Projekt, für das sie als Creator, Produzentin, Autorin und Hauptdarstellerin verantwortlich zeichnet.
Im Gespräch erklärt Robertson, warum sie immer wieder für starke, vielschichtige Frauenfiguren besetzt wird. «Ich bekomme ständig Rollen, die von Natur aus sehr starke und komplizierte, nuancierte Frauen sind», sagt sie. Das Publikum versuche oft, diese Figuren zu durchschauen, und liege damit nicht selten falsch. Bei «Reacher» hätten viele Zuschauer von Anfang an vermutet, ihre Figur Elspeth sei die Bösewichtin. «Alle dachten: Oh mein Gott, wir glauben, du bist der Bösewicht. Du bist die Schurkin», erinnert sich Robertson. Diese Ambivalenz sei es, die sie an solchen Rollen reize.
Für die Darstellung der Elspeth Sampson arbeitete Robertson eng mit Showrunner Nick Santora zusammen. Santora habe gewollt, dass Elspeths Macht unbestreitbar ist, ohne dass sie viel tun muss. «Sie kann einfach da sein und physisch präsent sein, und alle wissen, dass sie der Boss ist», beschreibt Robertson die Wirkung ihrer Figur. Diese Ausstrahlung hat bei den Zuschauern Eindruck hinterlassen. Viele fragen sich seit dem offenen Ende der zweiten Staffel, ob Elspeth in der «Reacher»-Welt zurückkehren wird – zumal mit dem Spin-off «Neagley» ein eigenes Serienuniversum entsteht, das gerade für eine zweite Staffel verlängert wurde.
Robertson selbst würde ihre Figur gerne wiedersehen. «Ich würde liebe es, sie weiterzuverfolgen und ihren Platz finden zu sehen», sagt sie. Allerdings liege die Entscheidung bei Santora. Sie kenne die Antwort nicht, wäre aber sofort bereit. Die Tür für eine Rückkehr scheint also offen, auch wenn die Zukunft der Figur noch ungewiss ist.
Einblicke in die Hintergrundgeschichte der Sampsons gab Robertson ebenfalls. Sie und Santora hätten sich das Ehepaar ähnlich wie Barack und Michelle Obama vorgestellt: zwei politische Persönlichkeiten, die beide das Zeug zum Präsidentenamt gehabt hätten. «Michelle hätte genauso gut für das Präsidentenamt kandidieren können», so Robertson. Das Paar habe keine Kinder gehabt, ihr Leben sei ihre Arbeit gewesen. Irgendwann hätten sie die Entscheidung getroffen, alle Ressourcen in die Karriere eines von ihnen zu stecken. «Die Entscheidung war wahrscheinlich: Ich bin eine Frau, und die Chancen stehen schlecht, dass es für mich klappt. Also legen wir alle Eier in deinen Korb», erklärt Robertson die Dynamik. Nach dem Tod von John Sampson scheine es nun natürlich, dass Elspeth sagt: Jetzt bin ich dran.
Neben «Reacher» ist Robertson auch in «Tracker» zu sehen, das inzwischen von Vancouver nach Los Angeles umgezogen ist. Über ihre Rolle als Maxine hält sie sich noch bedeckt, verspricht aber, dass die Serie weiterhin großen Spaß mache. Die genauen Entwicklungen ihrer Figur in der neuen Staffel bleiben vorerst ein Geheimnis.
Mit «Blessed Sacrament» geht Robertson nun einen Schritt weiter und schafft sich ihre eigenen komplexen Frauenfiguren. Das Projekt, das sie nicht nur vor der Kamera, sondern auch als Autorin und Produzentin verantwortet, zeigt, dass sie die Geschichten, die sie erzählen will, selbst in die Hand nimmt. Wann die Serie erscheinen soll, ist noch nicht bekannt. Klar ist jedoch: Robertson bleibt eine der gefragtesten Darstellerinnen für ambivalente Charaktere – und sorgt nun auch hinter den Kulissen dafür, dass es davon mehr gibt.