Akio Otsuka, die japanische Stimme und Motion-Capture-Darsteller von Solid Snake, hat sich für ein neues Metal-Gear-Spiel ausgesprochen. Zugleich machte er deutlich, dass er ohne Serienschöpfer Hideo Kojima nicht zurückkehren möchte. Das berichtet das japanische Magazin Bunshun in einem Interview, das Otsuka mit der Figur und ihrer Geschichte verknüpft.
Otsuka sagte, sein Beruf als Synchronsprecher bestehe darin, das zu tun, was ihm aufgetragen werde. Bei Metal Gear liege der Fall jedoch anders: Die Reihe sei von Kojima erschaffen worden, und er sei stolz darauf, zu ihrer Umsetzung beigetragen zu haben. Deshalb habe er früher erklärt, kein Metal Gear ohne Kojima machen zu wollen. «Jetzt habe ich das gesagt, und ich kann es nicht zurücknehmen», fügte er lachend hinzu.
Die Aussage hat Gewicht, weil sich Konami und Kojima vor Jahren im Streit getrennt haben. Eine Rückkehr Kojimas als leitender Entwickler eines neuen Metal Gear gilt daher als unwahrscheinlich. Auf die Frage, ob er Kojima selbst von einem neuen Metal Gear erzählt habe, antwortete Otsuka nur: «Das überlasse ich Ihrer Fantasie.»
Otsuka blickt auf eine lange Verbindung zur Reihe zurück. Der berühmte Satz «Kept you waiting, huh?» – im Japanischen «mataseta na» – sei ursprünglich ein Adlib während der japanischen Aufnahme gewesen, sagte er. Später sei er auch in Werbespots verwendet worden. Die englische Fassung von David Hayter wurde ebenfalls zu einem Markenzeichen der Figur.
Besonders surreal sei für ihn die Zusammenarbeit mit seinem leiblichen Vater gewesen. In der Schlussszene von Metal Gear Solid 4 sprach Chikao Otsuka die Rolle von Big Boss, während sein Sohn das Performance-Capture übernahm. Als er am Set in seinem Motion-Capture-Anzug erschien, habe sein Vater die Augen aufgerissen und überrascht gefragt, ob er tatsächlich ihn sprechen solle. Otsuka nannte die Erinnerung amüsant.
Der Sprecher äußerte im Interview auch Mitgefühl für Kojima. Nach dessen Weggang von Konami habe der Entwickler viele Schwierigkeiten durchgestanden und dennoch ein großes Spiel fertiggestellt. Gemeint ist Death Stranding. Otsuka sagte, wenn das Projekt gescheitert wäre, hätte Kojima Schulden hinterlassen können, die er selbst mit lebenslanger Arbeit kaum abbezahlt hätte. Als das Spiel fertig und der Release angekündigt gewesen sei, habe er Tränen vergossen.
Zugleich stellte sich Otsuka hinter die ehemaligen Mitglieder von Kojimas Team, die weiter bei Konami arbeiten und nicht zu Kojima Productions wechselten. In seinem Podcast Nameless Mouse betonte er bereits 2023, die Fans sollten diese Menschen nicht zu Bösewichten machen. Wer bei Konami geblieben sei, habe zur Crew auf Kojimas Schiff gehört. Diese Leute hätten das Erbe des Regisseurs übernommen und wollten Metal Gear schützen.
Für japanische Fans bleibt Otsuka untrennbar mit Snake verbunden, ähnlich wie David Hayter für viele englischsprachige Spieler. Otsuka selbst beschreibt seine Lage als zwiegespalten: Er habe eine tiefe Bindung zu Snake, doch die Frage nach einem neuen Teil bringe ihn in eine schwierige Position zwischen den Fans und der Geschichte der Reihe.
Konami hat derweil weiteres Interesse an Metal Gear gezeigt. Die im vergangenen Jahr erfolgreiche Neuauflage Metal Gear Solid Delta: Snake Eater übernahm Otsukas ursprüngliche Performance aus dem Jahr 2006. Sollte Konami mehr als nur Remaster und Remakes planen, scheint der Schauspieler für ein neues Metal Gear Solid grundsätzlich offen – vorausgesetzt, die Umstände stimmen für ihn.