Einen Tag vor der totalen Sonnenfinsternis vom 12. August hat die Ukrainian Private Space Agency einen öffentlichen Eclipse Almanac freigeschaltet. Der Dienst berechnet Sonnen- und Mondfinsternisse von 2026 bis 2126 und zeigt sie aus der Perspektive ausgewählter Städte.
Den ersten ausführlichen Bericht über das Projekt veröffentlichte Science Official. Die Datenbank enthält 457 Ereignisse und Sichtbarkeitsangaben für 284 Städte auf mehreren Kontinenten.
Für Nutzer in Deutschland und der Schweiz ist vor allem das Ortsprinzip interessant. Statt nur eine globale Bahnkarte zu zeigen, lässt sich zuerst ein Standort wählen. Der Katalog reduziert sich dann auf die Finsternisse, die dort tatsächlich sichtbar sind. Bei einer Sonnenfinsternis entscheidet der Standort darüber, ob die Phase total, ringförmig, partiell oder wegen des Horizonts gar nicht zu sehen ist.
Jedes Ereignis hat drei Darstellungen. Die breite Ansicht rekonstruiert den Himmel mit Sonne, Mond, hellen Sternen und Planeten. Die Nahansicht konzentriert sich auf die Scheiben und typische Effekte rund um die Totalität. Die Datenansicht zeigt Kontaktzeiten, Winkelgrößen, Höhe, Azimut und weitere Positionswerte.
Eine Zeitleiste lässt sich wie ein Videoplayer bedienen, bis zu 3.600-fach beschleunigen und während einer realen Finsternis mit dem aktuellen Zeitpunkt synchronisieren. Nach Angaben des Projekts wird dabei kein fertiger Film abgespielt. Astronomy Engine berechnet die Positionen im Browser neu, wenn Zeit oder Standort verändert werden. Die Darstellung erfolgt mit WebGL.
Die Finsternis am 12. August veranschaulicht, wie groß regionale Unterschiede sein können. Die totale Zone verläuft über Island und Spanien. Weite Teile Mitteleuropas sehen eine tiefe partielle Phase, während der Sonnenstand am Abend zunehmend zum begrenzenden Faktor wird.
Der Jahrhundertvergleich ist noch deutlicher. Nur 70 der 284 Städte im Katalog erleben zwischen 2026 und 2126 mindestens eine totale Sonnenfinsternis. Das bedeutet, dass ungefähr drei Viertel der erfassten Städte in hundert Jahren nie in den Kernschatten geraten.
Für die Ukraine fällt das Ergebnis besonders streng aus. Das Projekt hat 515 Punkte im Land gegen alle 72 totalen Sonnenfinsternisse des Zeitraums geprüft und keine beobachtbare Totalität gefunden. Am 12. August sieht der Westen des Landes lediglich eine partielle Phase kurz vor Sonnenuntergang.
Die Simulation trennt außerdem klar zwischen berechenbarer Geometrie und nicht vorhersagbaren Details. Wolken sind Dekoration und kein Wettermodell. Die Korona wird typisch dargestellt, aber nicht als exakte Vorhersage ihrer künftigen Form.
Wer die reale partielle Sonnenfinsternis beobachtet, braucht geeigneten Sonnenschutz. Normale Sonnenbrillen reichen nicht aus; optische Geräte benötigen geeignete Filter vor der Optik.
Der Dienst ist kostenlos, werbefrei und ohne Registrierung nutzbar. Für den deutschsprachigen Raum ist er damit nicht nur ein Begleitprodukt zum 12. August, sondern ein langfristiger Kalender, der zeigt, wann sich dieselbe Himmelsmechanik das nächste Mal über dem eigenen Standort abspielt.