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Control Resonant macht den Stadtbus zum Albtraum

Remedy Entertainment verwandelt in Control Resonant alltägliche Objekte in Bedrohungen. Der Hiss Transporter zeigt, wie die Studio-Ästhetik des Unheimlichen funktioniert.

Ein Stadtbus, der einen an der Haltestelle normalerweise erleichtert aufatmen lässt, wird in Control Resonant zur wiederkehrenden Bedrohung. Der sogenannte Hiss Transporter ist ein Miniboss, der als vorderer Teil eines Busses vertikal schwebend durch die Straßen von Manhattan zieht, rot glüht und mit seinem verzerrten Horn Unheil ankündigt. Wer dem Gefährt begegnet, muss sich gegen Wellen von Hiss Passagieren wehren — Gegnern, die halb in Bussitze eingeschmolzen aus den Fenstern ragen.

Der Kampf gegen den Transporter ist zäh und angsteinflößend zugleich. Das Fahrzeug rammt sich in den Boden, um mit Schockwellen Schaden zu verursachen, während es immer neue Passagiere ausstößt. Erst wenn die an den Seiten exponierten Gegner beseitigt sind, lässt sich der Transporter in einer Explosion endgültig zerstören. Trotz aller Frustration im Spielgefecht lobt die Quelle die Bildsprache: Das Konzept sei einfach, die Umsetzung grandios.

Der Bus ist nur ein Beispiel dafür, wie Entwickler Remedy Entertainment vertraute Gegenstände in etwas Fantastisches verwandelt. Bereits der erste Control-Teil führte die Konzepte der Altered Items und Objects of Power ein — gewöhnliche Objekte mit besonderen, oft gefährlichen Eigenschaften. Diese Idee reicht bis zu Alan Wake und dem Clicker zurück, einem simplen Lichtschalter, der entscheidend für die Handlung wird.

Zu den bekannteren Altered Items in Control zählt ein Kühlschrank, der in einer Nebenquest bewacht werden muss, weil er gefährlich wird, sobald man ihn nicht mehr beobachtet. Auch eine scheinbar normale Diskette spielt eine Rolle: Sie wird von der Hiss korrumpiert und hinterlässt eine Spur des Todes, bis sie beruhigt werden kann. Für die Hintergrundgeschichte der Protagonisten Jesse und Dylan Faden ist ein Diaprojektor zentral, der Türen zu anderen Dimensionen öffnet — und damit Chaos auslöst, als er die Hiss ins Oldest House entlässt.

Control Resonant setzt diese Tradition fort, wenn auch weniger stark als der Vorgänger. Auf den Straßen Manhattans finden sich weiterhin alltägliche Gegenstände, die für feindselige Zwecke umfunktioniert wurden. Der erste Boss des Spiels, der Artist Resonant, ist von Straßenschildern und Betonbrocken umgeben und nutzt Ampelpfosten als elegante Schlagwaffen. Die scheinbare Willkür folgt einer Methode: Das Rekontextualisieren des Gewöhnlichen ins Bedrohliche ist eine Technik des Horror-, Surrealismus- und «New Weird»-Genres, dem Control angehört.

Indem vertraute Objekte in Aussehen, Verhalten und Funktion verändert werden, gerät fast alles in unheimliches Territorium. Die Vertrautheit wird infrage gestellt, und es entsteht ein Unbehagen, weil das, was man zu kennen glaubt, plötzlich anders erscheint. Der verstorbene David Lynch gilt als Meister dieser Praxis. In Filmen wie Eraserhead zeigt ein Heizkörper eine miniature Traumwelt, in Twin Peaks deutet ein Deckenventilator die Anwesenheit einer bösen Macht an. Lynch nutzte Elektrizität häufig als Motiv und beschrieb sie 2006 als etwas, das «viele Dinge in unserer Welt antreibt, und es ist schön. Es ist manchmal gefährlich, aber es ist magisch.»

Diese Faszination für das Vertraute, das unbekannte Kräfte birgt, prägt auch Remedy. Creative Director Sam Lake hat Lynch mehrfach als große Inspiration genannt; Ästhetik, Ton und Themen von Alan Wake und Control spiegeln das wider. Bei den Objects of Power ließ sich das Studio von der realen Nutzung von Disketten zur Steuerung von Atomraketen inspirieren — der Gedanke, dass alltägliche Gegenstände Zerstörung auslösen können, verleiht ihnen eine Bedeutung jenseits ihres Aussehens.

Warum also ist der Bus in Control Resonant so furchteinflößend? Busse gelten als verlässliches öffentliches Verkehrsmittel, ihre Ankunft als erleichterndes Bild. Die verdrehte Version kehrt das um: Die in Fenster gepressten Passagiere erzeugen ein Gefühl von Klaustrophobie und Panik, wie sie ein überfüllter Bus auslösen kann. Die brutalen Bodenstöße erinnern daran, dass Busse Metallkolosse sind, die bei hoher Geschwindigkeit tödlich sein können. Das Horn wird zum Omen einer unvermeidlichen Katastrophe. Jede Begegnung mit einem dieser Busse im offenen Spiel erzeugt Beklemmung — und genau das bedeutet, dass Control Resonant funktioniert.

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