Die Europäische Union stellt der spanischen Exklave Ceuta ein Hilfspaket von mehr als 100 Millionen Euro zur Verfügung. Das bestätigten EU-Vertreter am Mittwoch in Brüssel. Mit dem Geld sollen sowohl die Versorgung der Migranten als auch ein besserer Grenzschutz finanziert werden. Die Entscheidung fiel nach einer drastischen Warnung der lokalen Behörden: „Wenn Ceuta untergeht, geht Europa unter“, hieß es aus der Stadtverwaltung.
Ceuta leidet noch immer unter den Folgen eines Massenansturms von Migranten, der die Aufnahmekapazitäten der Stadt an der nordafrikanischen Küste an ihre Grenzen gebracht hat. Die Exklave, die zu Spanien und damit zur Europäischen Union gehört, liegt direkt an der marokkanischen Mittelmeerküste und ist immer wieder Ziel von Migrationsbewegungen. Die jüngste Krise hat die Infrastruktur der Stadt schwer belastet, zahlreiche Migranten harren in provisorischen Unterkünften aus.
Nach Angaben der EU-Kommission sind für Ceuta knapp 115 Millionen Euro vorgesehen. Ein Teil der Mittel soll in die Verschärfung des Grenzschutzes fließen. Darüber hinaus sollen mit dem Geld Abschiebungen und die Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger finanziert werden. Die Zahl der unbegleiteten Jugendlichen, die ohne Eltern oder Verwandte in der Exklave ankommen, ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Die Behörden vor Ort sind mit der Unterbringung und Betreuung dieser Gruppe überfordert.
Die Entscheidung aus Brüssel kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Migrationspolitik in der EU erneut in den Mittelpunkt gerückt ist. Mehrere Mitgliedstaaten fordern eine härtere Linie an den Außengrenzen, während Hilfsorganisationen auf die prekäre Lage der Migranten hinweisen. Die spanische Regierung hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Unterstützung aus Brüssel angemahnt und auf die besondere Lage der beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla verwiesen. Beide Städte gelten als Außengrenze der EU auf dem afrikanischen Kontinent und sind regelmäßig Schauplatz von Migrationsbewegungen.
Die EU-Kommission betonte, dass das Hilfspaket sowohl humanitäre als auch sicherheitspolitische Aspekte abdecke. Man wolle die Lage der Migranten verbessern, gleichzeitig aber auch die Kontrolle an der Grenze stärken. Die Mittel sollen in den kommenden Monaten ausgezahlt werden. Die Stadtverwaltung von Ceuta zeigte sich erleichtert über die Zusage aus Brüssel, mahnte jedoch weitere langfristige Unterstützung an. Die aktuelle Krise sei nur mit einer gemeinsamen europäischen Lösung zu bewältigen, hieß es.
Die spanische Exklave Ceuta ist seit Jahrzehnten ein Brennpunkt der europäischen Migrationspolitik. Die Stadt mit rund 85.000 Einwohnern liegt direkt an der marokkanischen Küste und ist durch einen Grenzzaun von Marokko getrennt. Immer wieder versuchen Migranten, den Zaun zu überwinden oder die Stadt auf dem Seeweg zu erreichen. Die jüngste Krise hat gezeigt, wie schnell die Aufnahmekapazitäten der kleinen Exklave erschöpft sind. Die EU reagiert nun mit einem Finanzpaket, das sowohl die akute Not lindern als auch die Grenzsicherung langfristig verbessern soll.