Das Weltraum-RPG «Exodus» von Archetype Entertainment fühlt sich im ersten Anspielen genau so an, wie sich ein neues «Mass Effect» anfühlen sollte. Nach über einer Stunde Spielzeit zeigt sich: Das Studio bedient sich offen bei den Klassikern der Space-Opera, setzt aber eigene Akzente. Statt simpler Gut-Böse-Entscheidungen gibt es ein Moralsystem, das um den Erhalt der Menschheit kreist, und ein Kampfsystem, das vertraut wirkt und doch eigene Ideen einbringt.
Die Mission, die wir spielten, führte uns mit zwei Begleitern in die Raumstation Khonsu, die den Planeten Lidon umkreist. Dort lebt das Volk der Kay, hyperintelligente Frösche, die von einer feindlichen Menschenfraktion versklavt wurden. Angeführt wird diese Fraktion von Gideon Aslan, dem Halbbruder der Protagonistin Jun Aslan und einem der Hauptschurken des Spiels. Die Aufgabe: Die Kay befreien und sie als Verbündete gewinnen.
Schon nach wenigen Sekunden im Gefecht setzte Muskelgedächtnis ein. Das Deckungssystem wirkt noch etwas unpräzise, doch die Schießereien selbst fühlen sich wuchtig an. Jun verfügt über eine Mischung aus Waffen und Spezialfähigkeiten namens Glyphen, die über einen Sci-Fi-Handschuh aktiviert werden. Dazu kommen zwei Partymitglieder: Elise, die in einem massiven Mech kämpft und Rüstungen brechen kann, und Suliman, ein agiler Agent mit hohem Schaden. Über ein Rad lassen sich ihre Fähigkeiten steuern, während die Zeit verlangsamt wird – ein System, das an die Klassiker von BioWare erinnert.
Besonders spannend ist die Kombination der Fähigkeiten. Einfrieren und anschließendes Zertrümmern, Kettenreaktionen zwischen den Attacken der Gruppe – wer die Synergien nutzt, wird belohnt. Auch ein wenig Schleichen ist möglich: Sulimans Schattenstoß kann einen Standardgegner aus der Deckung heraus mit einem Schlag ausschalten. Die Kämpfe selbst setzen auf brachiale Action, etwa wenn Elise eine Salve von Knockdown-Raketen abfeuert oder Jun mit einem Bodenangriff Gegner in die Luft schleudert.
Zwischen den Gefechten gibt es in Khonsu abseits des Hauptwegs einiges zu entdecken. Jun kann mit ihren Fähigkeiten Hindernisse beseitigen, Böden anheben oder mit einem Enterhaken markierte Punkte erreichen. Wer umherstreift, stößt auf optionale Ziele und besondere Begegnungen, die zu Entscheidungen führen können – etwa mit Einfluss auf die Beziehung zu den Partymitgliedern oder die Hintergrundgeschichte der Mission.
Den Abschluss der Mission bildete ein Bosskampf gegen einen gepanzerten Bären namens Captain Irina Bruin. Das Tier war mit Elektroschocks und wuchtigen Angriffen gefährlich, der Kampf fühlte sich jedoch eher wie ein Zermürbungskrieg an: ständiges Ausweichen, gelegentliche Angriffe, wenig Raum für taktische Finesse. Für ein frühes Spiel war die Herausforderung angenehm, doch die Hoffnung bleibt, dass spätere Bosse mehr auf die Stärken des Kampfsystems setzen.
Schon vor dem Anspielen hatte das Team bei der Gamescom einen Trailer gezeigt, der die emotionale Seite betonte. Im Mittelpunkt stand Salt, ein erwachter Oktopus, der einen Mech steuert, um ihre Heimat zu beschützen. Ihre angespannte Beziehung zu Jun und ihre tiefe Fürsorge für ihre Art erinnern an die großen Momente der Space-Opera – inklusive Matthew McConaughey, der im Spiel mitspielt. «Exodus» will offenbar genau diese Mischung aus persönlichen Geschichten und epischem Setting liefern, und der erste Eindruck deutet darauf hin, dass Archetype Entertainment die Lücke füllen könnte, die viele Fans seit Jahren beklagen.