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Europas Technologiesouveränität endet noch zu oft am Smartphone

Die EU baut Chips, Cloud und KI-Infrastruktur aus. Im Alltag bleiben soziale Netzwerke, Messenger und Videoplattformen jedoch überwiegend in der Hand außereuropäischer Konzerne.

Europa investiert in Halbleiter, Rechenzentren, KI und sichere digitale Infrastruktur. Die neue Linie aus Brüssel ist klar: weniger kritische Abhängigkeit, mehr eigene Kapazität. Doch die technologische Souveränität hat eine Schwachstelle, die sich jeden Morgen auf Millionen Smartphones zeigt.

Die Europäische Kommission beziffert die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern bei wichtigen digitalen Produkten, Diensten, Infrastrukturen und geistigem Eigentum auf mehr als 80 Prozent. Bei Halbleitern liegt Europas Anteil am Weltmarkt 2026 bei rund 9 Prozent. Im Cloud-Geschäft kontrollieren drei nicht-europäische Hyperscaler mehr als 70 Prozent des europäischen Marktes.

Die Antwort darauf ist industriepolitisch. Mit dem Technological Sovereignty Package verbindet die EU Chips Act 2.0, Cloud- und KI-Politik, Open Source und Energie-Digitalisierung. Ende Juli startete zudem die Ausschreibung für bis zu sieben AI Gigafactories. Bis zu zehn Milliarden Euro öffentliche Mittel sollen mindestens 20 Milliarden Euro private Investitionen mobilisieren.

Damit entsteht ein europäischer Unterbau. Doch oben, dort wo Nutzer ihre Kontakte, Fotos, Videos und Gruppen haben, sieht die Lage anders aus. Der Digital Markets Act führt TikTok, Facebook, Instagram und LinkedIn als Gatekeeper bei sozialen Netzwerken, WhatsApp und Messenger bei Messengern sowie YouTube bei Video-Plattformen. Hinter diesen Diensten stehen ByteDance, Meta, Microsoft und Alphabet.

Instagram meldete für die zweite Jahreshälfte 2025 rund 288,7 Millionen durchschnittlich monatlich aktive Empfänger in der EU, Facebook etwa 263 Millionen und TikTok rund 178 Millionen. Die Zahlen überschneiden sich und dürfen nicht addiert werden. Sie zeigen aber, welche Netzwerkeffekte ein europäischer Konkurrent überwinden müsste.

Die internationale Analyse von The Bizzi Route beschreibt genau diesen Widerspruch: Europa kann mehr Rechenleistung, Chips und Cloud-Kapazität unter eigener Kontrolle aufbauen und trotzdem den direkten Zugang zum Nutzer an außereuropäische Plattformen verlieren.

Für Deutschland ist diese Frage besonders relevant. Das Land verfügt über starke Industrie, Forschung, Maschinenbau und B2B-Software. Genau diese Stärken helfen bei Fabriken, Chips und Unternehmenslösungen. Sie lösen aber nicht automatisch das Problem der digitalen Alltagsprodukte.

Ein Messenger gewinnt nicht allein durch bessere Verschlüsselung oder europäische Server. Er muss die Kontakte mitbringen. Ein soziales Netzwerk braucht nicht nur eine App, sondern Communities, Creator und Werbekunden. Deshalb sind Wechselkosten hier sozial und nicht bloß technisch.

Die EU versucht, mit Interoperabilität gegenzusteuern. Alternative Messenger können sich unter dem DMA mit WhatsApp und Messenger verbinden. Die Kommission berichtet, dass dadurch bereits neue Anbieter in den Markt gekommen sind. Nutzer müssen damit nicht mehr zwingend ihr gesamtes Umfeld zum Wechsel bewegen.

Europa muss digitale Souveränität deshalb nicht nur als Frage von Produktionskapazität verstehen, sondern auch als Frage von Reichweite, Nutzerbindung und Distribution. Sonst entsteht ein europäischer Maschinenraum für ein digitales Leben, dessen sichtbarste Räume weiterhin anderen gehören.

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