Eine klare Mehrheit der Deutschen spricht sich für einen Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz aus. Das geht aus dem aktuellen Forsa-Trendbarometer im Auftrag von RTL und n-tv hervor. Demnach fordern 55 Prozent der Befragten, dass der CDU-Politiker sein Amt aufgibt. Nur elf Prozent zeigten sich mit seiner Arbeit zufrieden. Die Umfrage wurde zwischen dem 15. und 21. September unter bis zu 2.500 Bürgern durchgeführt, die statistische Fehlertoleranz liegt bei plus/minus 2,5 Prozentpunkten.
Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach einem Rücktritt im Osten Deutschlands: Dort sprechen sich 68 Prozent der Befragten dafür aus. Im Westen ist es mit 53 Prozent etwa jeder Zweite. Die Ablehnung zieht sich durch die Anhängerschaft fast aller Parteien. Unter AfD-Wählern fordern 89 Prozent den Rücktritt, bei den Linken sind es 65 Prozent. Auch 39 Prozent der Grünen-Anhänger und 43 Prozent der SPD-Wähler wollen einen anderen Kanzler. Selbst in der eigenen Unions-Anhängerschaft regt sich Unmut: 21 Prozent wünschen sich einen Wechsel im Kanzleramt.
Die Umfrage fällt in eine Phase wachsender innerparteilicher Kritik an Merz. Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen hatten die Stimmen aus der CDU zugenommen, die eine Neuausrichtung fordern. Am vergangenen Sonntag musste die Partei auch in Mecklenburg-Vorpommern eine schwere Niederlage einstecken: Sie flog aus dem Landtag, und in Berlin wurde sie von der Linken von Platz eins im Parlament verdrängt. Diese Entwicklungen haben den Druck auf den Kanzler weiter erhöht.
Die aktuellen Umfragewerte bestätigen einen Trend, der sich bereits in den vergangenen Wochen abgezeichnet hatte: Merz ist so unbeliebt wie kein Bundeskanzler vor ihm. Im RTL/ntv-Trendbarometer, das ebenfalls auf Forsa-Daten basiert, kommt die AfD derzeit auf 27 Prozent, die Union unverändert auf 20 Prozent. Die Grünen verlieren einen Punkt und liegen bei 17 Prozent, gefolgt von SPD und Linken mit jeweils 12 Prozent. Eine schwarz-rote Koalition käme zusammen auf 32 Prozent und wäre damit weit von einer Mehrheit entfernt. BSW stagniert bei 3 Prozent, die FDP bleibt mit 4 Prozent unter der Fünfprozenthürde.
Regierungssprecher Stefan Kornelius hatte erst in der vergangenen Woche die Seriosität von Umfragen infrage gestellt, die Merz geringe Beliebtheitswerte bescheinigen. Seiner Ansicht nach sei es finanziell kaum möglich, solche Daten in kurzen Abständen zu erheben. «Keines dieser Institute, die in dieser Frequenz Umfragen auf den Tisch legen, haben die Finanzressourcen, um solche Umfragen zu machen. Also sollten wir vielleicht alle mal sehr vorsichtig mit diesem Instrument umgehen», sagte Kornelius. Manfred Güllner, Gründer des Meinungsforschungsinstituts Forsa, reagierte mit Unverständnis auf diese Äußerungen.
Wahlumfragen sind grundsätzlich mit Unsicherheiten behaftet. Nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren den Meinungsforschern die Gewichtung der erhobenen Daten. Zudem spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. Dennoch deuten die aktuellen Zahlen darauf hin, dass die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung und ihrem Chef weiter zunimmt. Ob Merz aus den schlechten Werten Konsequenzen zieht, ist offen. Die kommenden Wochen dürften für den Kanzler und die CDU richtungsweisend werden.