Die geplante Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen in Berlin könnte nach Einschätzung von Banken die Immobilienfinanzierung verteuern und den Wohnungsbau weiter bremsen. Der Verband Deutscher Pfandbriefbanken (VDP) warnt, dass die Pläne der Berliner Landesregierung negative Folgen für Mieter, Hausbauer und Immobilienkäufer hätten. «Die Pläne würden die eklatante Wohnungsnot weiter verschärfen, da so kein einziger Quadratmeter Wohnraum geschaffen wird und zudem private Geldgeber, die das tun könnten, vertrieben werden», sagte VDP-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt.
Linke, Grüne und SPD in Berlin planen laut ihrem Sondierungspapier, private Wohnungskonzerne ab einem Bestand von 10.000 Wohnungen in der Hauptstadt gegen Entschädigung zu vergesellschaften. Die Linke argumentiert, niedrige Mieten bei landeseigenen Wohnungen hätten einen dämpfenden Effekt auf den gesamten Markt. Der VDP vertritt rund 50 Immobilienfinanzierer, darunter Deutsche Bank, Commerzbank und Sparkassen.
Aus Sicht von Tolckmitt könnte die Vergesellschaftung zur Belastung für Verbraucher werden, anstatt den Immobilienmarkt zu entspannen. «Wenn Grundschulden bei einer Vergesellschaftung ersatzlos entfallen, Kreditsicherheiten für Banken also nicht mehr sicher sind, wie es die Initiative ‹Deutsche Wohnen & Co. enteignen› plant, legt das die Axt an die kostengünstige besicherte Immobilienfinanzierung – nicht nur für Wohnungsunternehmen, sondern auch für private Haushalte, die sich den Traum von Wohneigentum erfüllen wollen», kritisierte Tolckmitt. «Auch deren Kredite werden merklich teurer.»
Der Bankenvertreter warnt zudem vor den Folgen für den Wohnungsbau insgesamt. «Banken werden sich nach erfolgter Vergesellschaftung sehr genau überlegen, was sie noch an Wohnungsbau finanzieren wollen», sagte Tolckmitt. «Sie tun das bereits jetzt allein aufgrund der Diskussion.» Was Rot-Grün-Rot in Berlin plane, sei ein fatales Signal für den gesamten Standort Deutschland. «Es geht um das Vertrauen in die Verlässlichkeit unseres Rechts- und Wirtschaftssystems. Wird die Option der Vergesellschaftung gezogen, ist sie dahin.»
Von der Bundesregierung forderte Tolckmitt mehr Tempo beim geplanten Bundesgesetz gegen Enteignungen. Man brauche eine «zügige bundespolitische Klärung». Jeder Monat der Ungewissheit belaste das Bild der Bundesrepublik als Investitionsstandort in der Welt. Die Spitzen von Union und SPD im Bund hatten sich im Juli darauf verständigt, per Bundesgesetz zu regeln, dass die Verstaatlichung privater Mietwohnungsbestände durch Vergesellschaftungsgesetze auf Landesebene nicht mehr möglich sein soll. Bisher gibt es allerdings keinen Gesetzentwurf, sondern nur einen Beschluss des Koalitionsausschusses.
Die Debatte um die Vergesellschaftung in Berlin fällt in eine Zeit, in der die Bundesregierung ohnehin um Investitionen und ausländische Geldgeber wirbt. Der Streit um die Enteignungspläne könnte das Vertrauen in den Standort Deutschland zusätzlich belasten. Der VDP sieht in der Unsicherheit bereits jetzt eine Bremse für dringend benötigte Investitionen in den Wohnungsbau.