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Deutsches Kino gewinnt Publikum zurück – jetzt zählt die Förderung

Deutschland gehörte 2025 zu den wenigen großen europäischen Kinomärkten mit mehr Besuchen. Gleichzeitig wurde die Filmförderung deutlich aufgestockt. Entscheidend ist nun, ob daraus dauerhaft relevante deutsche Filme entstehen.

Svensk film har ett utbudsproblem – inte ett publikproblem

Foto: Philippe Caufriez / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.5 · rights

Für das deutsche Kino war 2025 ein seltenes Jahr mit zwei positiven Signalen gleichzeitig: mehr Publikum und mehr Geld für Produktion. Während die Kinobesuche in vielen großen europäischen Märkten zurückgingen, stieg Deutschland auf rund 91,9 Millionen Besuche. Parallel wurden die Förderinstrumente neu geordnet und finanziell verstärkt. Das schafft bessere Produktionsbedingungen, garantiert aber noch keine Filme, die dauerhaft im Alltag des Publikums ankommen.

Im europaweit vergleichbaren Datensatz des European Audiovisual Observatory entstanden 2025 in Deutschland 178 Langfilme. Das ist deutlich weniger als in Spanien oder Italien, aber genug für ein breites Ökosystem aus Kinofilm, Dokumentarfilm, Koproduktion und Nachwuchs. Entscheidend ist weniger die reine Zahl als die Frage, wie Projekte finanziert werden und welche Budgets tatsächlich in Deutschland ausgegeben werden.

Die Filmförderungsanstalt meldete für 2025 insgesamt rund 281 Millionen Euro Fördermittel. Davon stammten etwa 64,9 Millionen Euro aus dem System des Filmförderungsgesetzes, während rund 215,7 Millionen Euro aus steuerfinanzierten Bundesprogrammen kamen. Besonders sichtbar war der Ausbau von DFFF und GMPF: Zusammen wurden rund 183 Millionen Euro für 140 Film- und Serienprojekte bewilligt. Die Förderquote wurde auf 30 Prozent der anerkannten deutschen Herstellungskosten angehoben.

Damit wird Deutschland im internationalen Standortwettbewerb wieder interessanter. Studios in Babelsberg, Köln, München, Hamburg oder Berlin konkurrieren nicht nur über Kulissen und Crews, sondern mit steuerlichen und direkten Anreizen anderer Länder. Produzenten vergleichen sehr genau, wo ein Dreh wirtschaftlich sinnvoll ist. Eine höhere Förderquote kann deshalb internationale Produktionen halten oder zurückholen und zugleich die Auslastung von Studios und Dienstleistern stabilisieren.

Für deutsches Kino im engeren Sinn reicht Standortpolitik jedoch nicht. Ein internationaler Blockbuster, der in Babelsberg gedreht wird, stärkt Beschäftigung und technische Infrastruktur, schafft aber noch keinen neuen deutschen Publikumserfolg. Dafür braucht es Produzenten, die eigene Stoffe entwickeln, Verleiher, die Risiken eingehen, und Filme, die zwischen Streaming, Social Media und großen Hollywoodstarts überhaupt wahrgenommen werden.

Gerade für jüngere Zuschauer ist das Angebot heute viel breiter als noch vor zehn Jahren. Ein Kinofilm konkurriert nicht nur mit anderen Kinofilmen, sondern mit Serien, Games, YouTube und Kurzvideo-Plattformen. Deutsche Produktionen müssen deshalb nicht zwangsläufig größer werden, aber klarer darin, warum man sie sehen will. Genre, Star-Power, visuelle Handschrift und ein präziser Ton sind ebenso wichtig wie Förderentscheidungen. Ein System, das nur die Herstellung absichert, löst das Aufmerksamkeitsproblem nicht.

Die gestiegenen Kinobesuche 2025 zeigen immerhin, dass der Saal als Ort nicht verschwunden ist. Deutschland gehörte zu den wenigen großen europäischen Märkten, die zulegen konnten. Das eröffnet ein Fenster für lokale Produktionen: Wenn Publikum wieder häufiger ins Kino geht, kann ein stärkeres deutsches Angebot davon profitieren. Voraussetzung ist, dass die Filme nicht erst nach Fertigstellung über ihre Zielgruppe nachdenken.

Eine zweite Messlatte ist die wirtschaftliche Stabilität der Produzenten. Förderung kann ein einzelnes Budget schließen, aber eine Firma wird erst dann widerstandsfähiger, wenn sie aus erfolgreichen Projekten Rechte, Erlöse und Entwicklungskapital für das nächste Vorhaben behält. Gerade in einem Markt mit starken Sendern, Plattformen und internationalen Auftraggebern entscheidet die Verhandlungsmacht über langfristigen Wert. Deutschland kann also gleichzeitig ein attraktiver Drehort und ein Land mit zu wenig eigenem Produzentenkapital sein. Ob die neue Förderarchitektur diese Lücke verkleinert, wird sich daran zeigen, ob mehr Unternehmen mehrere Projekte hintereinander entwickeln können, ohne bei jeder Produktion finanziell wieder bei null zu beginnen.

Die neue Förderarchitektur muss sich deshalb an zwei Ergebnissen messen lassen. Erstens: Bleibt mehr Produktion, Arbeit und Know-how in Deutschland? Zweitens: Entstehen daraus Filme, die auch ein deutsches Publikum freiwillig auswählt? 2025 hat die finanziellen Voraussetzungen verbessert. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob aus mehr Unterstützung eine sichtbarere, eigenständigere Filmkultur entsteht.

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