Ein für Montag geplantes regionales Außenministertreffen im omanischen Salalah zur Zukunft der Straße von Hormus ist kurzfristig verschoben worden. Das gab der omanische Außenminister Badr al-Busaidi am späten Sonntagabend bekannt. Als Grund nannte er das Interesse an einem Konsens. Damit bleiben die Hoffnungen auf eine diplomatische Bewegung in dem seit Monaten festgefahrenen Konflikt um die wichtigste Ölschifffahrtsroute der Welt vorerst unerfüllt.
An dem Treffen sollten die Außenminister des Irans und des Omans mit ihren Kollegen aus den Staaten am Persischen Golf zusammenkommen. Ziel war es, einen Mechanismus für den künftigen Schiffsverkehr durch die Meerenge zu vereinbaren. Der iranische Präsident Massud Peseschkian hatte angekündigt, dass beide Anrainerstaaten ein Abkommen über neue Schiffsrouten unterzeichnen wollten. Eine schnelle Öffnung für die internationale Schifffahrt war zwar nicht zu erwarten, doch das Treffen galt als seltene Gelegenheit für diplomatische Fortschritte.
Die Gründe für die Verschiebung wurden nicht offiziell benannt. Beobachter sehen jedoch unterschiedliche Positionen der Golfstaaten als ausschlaggebend. Bahrain, das im Krieg unter heftigem iranischem Beschuss stand, hatte am Samstag seinen offiziellen Boykott des Treffens erklärt. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollten nicht ihren Außenminister entsenden, sondern lediglich einen Staatssekretär. Der Journalist Barak Ravid berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter eines Golfstaats, dass Saudi-Arabien Änderungen am omanisch-iranischen Vorschlag eingereicht habe. Riad befürchte, die vorgeschlagene Formulierung könnte einen neuen Status quo in der Meerenge etablieren, der weder für Saudi-Arabien noch für die übrigen Golfstaaten akzeptabel sei.
Die Absage macht die schwierige Lage der Nachbarstaaten deutlich. Bahrain, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate beherbergen US-Militärstützpunkte und wurden deshalb in der heißen Phase des Krieges zum Ziel iranischer Gegenangriffe. Zugleich streben die Regierungen aus wirtschaftlichen Gründen nach Normalität. Die Straße von Hormus ist an ihrer engsten Stelle nur rund 35 bis 40 Kilometer breit und hat sich im Krieg zum zentralen Streitpunkt zwischen dem Iran und den USA entwickelt. Vor dem Krieg passierten Handelsschiffe die Meerenge ungehindert und ohne Gebühren. Rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung lief durch diese Route, ebenso Flüssiggas und Dünger aus den Golfstaaten.
Schon kurz nach Beginn der israelisch-amerikanischen Luftangriffe Ende Februar hatte Irans Militärführung den Schiffsverkehr faktisch zum Erliegen gebracht. Die iranische Marine verminte Fahrwasser, erklärte lediglich eine nördliche Route entlang der eigenen Küste für sicher und verlangte Gebühren für die Durchfahrt. Andere Konflikte wie der Atomstreit oder Irans Unterstützung für militante Gruppen rückten dadurch in den Hintergrund. Ein Mitte Juni unterzeichnetes Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sollte den Weg für ein dauerhaftes Ende des Krieges ebnen und eine Wiederöffnung der Meerenge ermöglichen. Kurz darauf eskalierte die Lage jedoch erneut. Teheran warf Washington vor, Reedereien zur Nutzung einer südlichen Route fern der iranischen Küste zu drängen, und befürchtete, sein wichtigstes Druckmittel zu verlieren.
Für die Schifffahrt bleibt die Lage angespannt. Die US-Marine begleitet nach Angaben aus Washington im Rahmen des «Projekts Freiheit» Tanker und Handelsschiffe durch die Meerenge. Dennoch fährt im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg nur ein Bruchteil der Schiffe durch die Straße von Hormus. Viele Reedereien sehen in der Durchfahrt weiterhin ein großes Risiko, da der Iran immer noch Schiffe angreift und auch die USA iranische Öltanker attackieren. Ende August berichtete die Weltschifffahrtsorganisation, dass rund 400 Schiffe mit 6.000 Seeleuten im Persischen Golf feststeckten.
Für die Märkte war die Absage des Treffens eine weitere schlechte Nachricht. Zum Wochenstart legten die Ölpreise zu. Ein Grund dafür ist auch, dass Saudi-Arabien eine Ölpipeline nach Drohnenangriffen abgeschaltet hat. Die proiranische Huthi-Miliz, die im Jemen die gesamte Küste des Roten Meeres und strategisch wichtige Inseln eingenommen hat, bedroht zudem zunehmend die Schifffahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab auf der anderen Seite der arabischen Halbinsel. Die Straße von Hormus ist damit längst nicht mehr der einzige Schmerzpunkt für den Welthandel.