Die Schatzmeisterin der Jungen Union, Clara von Nathusius, hat nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt die sogenannte Brandmauer der CDU zur AfD infrage gestellt. Die CDU-Politikerin forderte Gespräche mit der AfD und kritisierte Kanzler Friedrich Merz scharf. Mit diesem Kanzler seien keine Wahlen mehr zu gewinnen, sagte sie.
Von Nathusius ist Schatzmeisterin des CDU-Nachwuchsverbands. Ihre Äußerung fällt in eine Phase, in der die Union nach dem Ergebnis in Sachsen-Anhalt über ihren Kurs diskutiert. Die Brandmauer bezeichnet die bisherige Linie der CDU, keine Koalitionen oder gemeinsamen Regierungen mit der AfD einzugehen. Dass eine Funktionsträgerin der Jungen Union diese Linie nun öffentlich hinterfragt, ist ein ungewöhnlicher Vorgang innerhalb des Parteiverbands.
Der AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt hatte in Berlin bereits vor der Äußerung von Nathusius für Unruhe gesorgt. In der Bundesregierung und in der Union wird über die Folgen des Ergebnisses beraten. Der Kanzler steht nach dem Debakel in Sachsen-Anhalt auch in der eigenen Partei unter Druck. Verschiedene Szenarien werden diskutiert, vom Weiter-so bis zu einem Kanzlersturz.
Die Forderung nach Gesprächen mit der AfD widerspricht der bisherigen offiziellen Haltung der CDU. Die Partei hatte eine Zusammenarbeit mit der AfD auf Bundesebene und in den Ländern stets ausgeschlossen. Ob die Äußerung der JU-Schatzmeisterin eine Debatte über den Kurs der Union auslöst, ist offen. Klar ist, dass der Druck auf die Parteiführung nach dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt gewachsen ist.
Merz ist als Kanzler unbeliebt und hat nach dem Ergebnis in Sachsen-Anhalt offenbar auch in der eigenen Partei praktisch keine Autorität mehr. In der Bundesregierung liegen die Nerven blank. Die Diskussion über die Zukunft der Koalition und die Führung der Union dauert an. Die Äußerung von Nathusius ist ein weiteres Zeichen für die Unruhe in der Partei.
Die Junge Union ist der Nachwuchsverband der CDU und vertritt traditionell konservative Positionen. Dass ihre Schatzmeisterin öffentlich die Brandmauer infrage stellt, könnte den Druck auf die Parteispitze erhöhen. Die CDU hatte bei der Kommunalwahl in Niedersachsen zuletzt vorne gelegen, was als positives Signal gewertet wurde. Der AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt und die Reaktionen darauf überschatten jedoch die innerparteiliche Debatte.
Ob die CDU ihre Haltung zur AfD ändert, ist unklar. Die offizielle Linie bleibt der Ausschluss einer Zusammenarbeit. Die Äußerung von Nathusius ist eine von mehreren Stimmen, die nach dem Wahlergebnis eine Neuausrichtung fordern. Die Parteiführung steht vor der Aufgabe, die verschiedenen Positionen zu bündeln und die Handlungsfähigkeit der Union zu erhalten.