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Wenn das Opfer zum Täter wird: Wie 764 Jugendliche online bindet

Der Fall eines 16-Jährigen in Südafrika zeigt, wie Online-Grooming, Zugehörigkeit und Gewalt in der 764-Szene ineinandergreifen können.

Чому мережа 764 є загрозою і для українських підлітків у Німеччині

Allibug14 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · rights

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

Ein 16-Jähriger aus der südafrikanischen Provinz Western Cape steht vor einer ungewöhnlich breiten Liste von Vorwürfen. Ihm werden unter anderem Grooming, sexuelle Ausbeutung eines Kindes, Herstellung und Verbreitung von Missbrauchsmaterial, Tierquälerei und Anstiftung zu Gewalt vorgeworfen. Die Ermittler bringen den Jugendlichen mit dem internationalen 764-Umfeld in Verbindung. Am 1. September wurde er zur psychiatrischen Beobachtung eingewiesen.

Der Fall ist noch nicht abgeschlossen, die Vorwürfe müssen gerichtlich geklärt werden. Trotzdem zeigt er ein Muster, das Jugendschützer zunehmend beschäftigt: Ein Kind kann in einem toxischen Online-Netzwerk nicht nur Opfer bleiben. Es kann nach Phasen von Grooming, Druck und Normalisierung selbst anfangen, andere zu manipulieren oder Gewalt weiterzugeben.

TimesLIVE hat diesen Mechanismus als Weg vom Opfer zum Täter beschrieben. Jugendliche werden demnach nicht unbedingt mit einer fertigen extremistischen Ideologie angeworben. Häufiger stehen Einsamkeit, der Wunsch nach Zugehörigkeit, Aufmerksamkeit oder Status am Anfang. Wer in einer Gruppe Anerkennung sucht, kann schrittweise an Grenzen herangeführt werden, die außerhalb des digitalen Milieus offensichtlich wirken würden.

Genau hier liegt die Gefahr von 764 und ähnlichen Netzwerken. Sie funktionieren nicht wie ein Verein mit Mitgliedsausweis. Es gibt keine zentrale Aufnahmezeremonie, keine einheitliche Führung und keine konsistente Lehre. Stattdessen existieren lose Chats, kleinere Gruppen und persönliche Beziehungen, in denen sich Gewalt, sexuelle Erniedrigung, Selbstverletzung, Tierquälerei und extremistische Symbolik überlagern können.

Die Anti-Defamation League beschreibt den ideologischen Kern als nihilistisch und menschenfeindlich. Dazu kommen in Teilen der Szene Zeichen und Motive aus dem satanistisch-neonazistischen Order-of-Nine-Angles-Milieu. Trotzdem wäre es falsch, jeden Nutzer solcher Symbole automatisch als überzeugten Satanisten oder Neonazi zu bezeichnen. Für manche ist das Bildmaterial vor allem ein Werkzeug, um zu schockieren, sich radikaler zu geben als andere und innerhalb der Gruppe Rang zu gewinnen.

Für Jugendliche macht das die Sache nicht harmloser. Im Gegenteil: Wenn Ideologie zweitrangig wird und das Überschreiten von Grenzen selbst Anerkennung bringt, kann jede nächste Provokation heftiger ausfallen als die vorherige. Aus einem Chat, der zunächst wie schwarzer Humor oder eine extreme Meme-Kultur wirkt, kann ein System von Erpressung, Drohungen und realer Gewalt entstehen.

Die südafrikanische Debatte dreht sich deshalb nicht nur um Strafrecht. Eltern, Schulen und Plattformen müssen verstehen, dass Online-Grooming auch über Status und Gemeinschaft funktionieren kann. Warnzeichen sind nicht nur politische Parolen. Plötzliche Geheimhaltung, extreme Gewaltinhalte, Druck zur Selbstverletzung, sexualisierte Erpressung oder die Aufforderung, andere zu demütigen, können ebenso relevant sein.

Der Fall des 16-Jährigen wird nun auch medizinisch und juristisch weiter geprüft. Für andere Jugendliche ist die wichtigste Erkenntnis bereits klar: In Netzwerken, in denen Menschen nur noch als Material für Status, Kontrolle oder Unterhaltung gelten, kann die Rolle zwischen Opfer und Täter erschreckend schnell wechseln.

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