Zach Cregger, Regisseur von «Barbarian» und «Weapons», wagt sich an die wohl hartnäckigste aller Videospielverfilmungen: «Resident Evil». Statt erneut die bekannten Gesichter aus Raccoon City zu bemühen, erzählt er die Geschichte eines medizinischen Kuriers namens Bryan, der in eine einzige, albtraumhafte Nacht gerät. Der Film startet damit, dass Bryan eine Frau im Nachthemd auf einer verschneiten Straße anfährt — und von da an jagt ein Unglück das nächste. Das Ergebnis ist ein Werk, das die Reihe von Grund auf neu denkt.
Bryan, gespielt von Austin Abrams, ist alles andere als ein Actionheld. Er hat keine Spezialausbildung, keine Waffenkenntnisse jenseits eines Gamecontrollers und keine Strategie. Genau das macht ihn so greifbar. Wer sich je gefragt hat, wie es wäre, selbst in die Welt von «Resident Evil» geworfen zu werden, findet in Bryan eine Art Stellvertreterfigur: ständig außer Atem, die Hände zittrig, die letzten Patronen im Magazin. Cregger nutzt diese Perspektive, um das Publikum direkt in das Geschehen zu ziehen, anstatt es aus sicherer Distanz zuzuschauen.
Der Film läuft in seinen 95 Minuten ohne Verschnaufpause. Es gibt keine ruhigen Momente, keine Reflexion, nur eine Kette von Katastrophen, die Bryan von einem Schrecken zum nächsten treibt. Diese Struktur erinnert an Filme wie «Mad Max: Fury Road» oder «Lola rennt» — ein Marathon, kein Spaziergang. Die Folge: «Resident Evil» ist weniger ein klassischer Horrorfilm als ein nervenaufreibender Thriller. Ein paar effektive Jump Scares und reichlich viszerale Effekte gibt es dennoch, und der Film scheut sich nicht vor Ekel und Blut.
Doch Cregger wäre nicht Cregger, wenn er nicht auch Humor einbauen würde. Der Regisseur stammt aus der Sketch-Comedy-Szene und hat nach eigener Aussage zahlreiche Witze aus dem Drehbuch gestrichen. Die verbliebenen Pointen sitzen, ohne die Spannung zu zerstören. Oft lachen wir gerade dann, wenn wir ahnen, dass gleich etwas Furchtbares passieren wird — und zucken im nächsten Moment zusammen. Diese Balance aus Komik und Terror macht den Film zu einem Erlebnis, das sich ständig neu erfindet.
Fans der Spielreihe kommen auf ihre Kosten, auch wenn keine bekannten Figuren wie Leon Kennedy oder Mitglieder der STARS auftauchen. Stattdessen gibt es zahlreiche Anspielungen, die nur Eingeweihte verstehen. Die Monster sind größtenteils neu, wirken aber, als stammten sie direkt aus der T-Virus-Linie: Massen von Armen und Beinen, Tentakel mit Zähnen, Kreaturen, die ebenso faszinierend wie widerlich sind. Cregger vermeidet bewusst das Problem der Besetzung ikonischer Charaktere und lässt uns das Grauen durch Bryans Augen erleben.
Die ersten Kritiken fallen begeistert aus. Auf Rotten Tomatoes steht der Film bei 99 Prozent, Metacritic verzeichnet 81 von 100 Punkten. Die «San Francisco Chronicle» lobt Creggers «formale Meisterschaft» und bezeichnet das Werk als «Kreaturen-Spektakel», das gekonnt erschrecke, amüsiere und anwidern wolle. Auch andere Stimmen heben hervor, wie präzise der Regisseur Spannung aufbaut und gleichzeitig sein Publikum überrascht. Für eine Reihe, die seit den frühen 2000er-Jahren mit Paul W.S. Anderson und Milla Jovovich eher an Glanz verlor, ist das ein bemerkenswertes Comeback.
«Resident Evil» ist damit kein weiterer Versuch, die Spiele eins zu eins nachzuerzählen. Es ist ein Film, der die Angst, die die Spiele einst auslösten, in ein neues Medium überträgt — und dabei auf einen Helden setzt, der alles andere als unbesiegbar ist. Genau das könnte der Grund sein, warum diese Verfilmung endlich das Gefühl einfängt, das Fans seit 1996 kennen: die nackte Panik, wenn die Munition knapp wird und der nächste Schrecken nicht lange auf sich warten lässt.