Rockstar Games treibt die Werbekampagne für GTA 6 immer weiter voran und verwandelt die Stadt Miami zunehmend in eine reale Version des fiktiven Schauplatzes Vice City. Das Spiel erscheint am 19. November, und der Publisher setzt seit Monaten auf eine beispiellose Marketingoffensive, die nun auch die reale Welt erreicht. Dabei kommt es zu Spannungen mit einigen lokalen Politikern.
Die Kampagne konzentriert sich stark auf Miami, da GTA 6 in einer fiktionalisierten Version der Stadt spielt. Nach einer großen Gameplay-Enthüllung auf Netflix und einer Flut von Merchandise-Artikeln sowie einem Album mit Originalmusik für das Spiel setzt Rockstar nun auf spektakuläre Werbemaßnahmen vor Ort. Dazu gehören ein leuchtendes «Welcome to Vice City»-Schild auf dem Kaseya Center, der Heimstätte der Miami Heat, für das Rockstar im September knapp eine Million US-Dollar zahlte. Am 18. November, einen Tag vor dem Release, tragen die Miami Heat ein reguläres Saisonspiel gegen die Milwaukee Bucks auf einem Vice-City-Spielfeld aus, mit eigens von GTA 6 inspirierten Trikots. Die Arena verkauft zudem Vice-City-Merchandise, und die NBA sowie Rockstar bezeichnen das Ereignis als «night in Vice City».
Am vergangenen Wochenende wurde das Hard Rock Stadium, die Heimat der Miami Dolphins, großflächig mit GTA-6-Werbung bedeckt. Die Anzeigetafel zeigte Werbung für das Spiel und den Releasetermin. Bei Touchdowns lief eine Animation mit dem Text «In for VI», eine Anspielung auf die sechs Punkte des Teams. Zusätzlich ist ein Goodyear-Blimp mit Vice-City-Branding im Einsatz, der von Ohio aus nach North Carolina fliegt und vermutlich weiter nach Florida unterwegs ist. In Miami wurde zudem mindestens ein Vice-City-Wandgemälde angebracht.
Doch nicht alle in der Stadtverwaltung sehen die Kampagne positiv. Einige Beamte erhoffen sich mehr Tourismus und höhere Einnahmen, andere lehnen sie entschieden ab. Der County Commissioner René Garcia äußerte gegenüber The Miamian, er fühle sich «wirklich unwohl mit der ganzen Sache». Garcia stört insbesondere, dass die Stadt mit einem «Spiel zusammenarbeitet, das Miami wie ein Verbrechensparadies darstellt; Miami wie eine Mordhauptstadt». Garcia und weitere Amtsträger versuchen Berichten zufolge, Verhandlungen mit Rockstar über eine Ausweitung der Marketingaktivitäten zu stoppen. Diese sollen angeblich Werbung am Miami International Airport und eine 4-Millionen-Dollar-Transformation von Miami Beach umfassen. Der Rollout sollte bereits am 15. Oktober beginnen, doch der Journalist Joel Franco erklärte, ein namentlich nicht genannter Beamter bezweifle, dass die Deals rechtzeitig abgeschlossen werden.
Rockstar scheint bereit, jeden Preis zu zahlen, um die Bekanntheit des Spiels zu steigern und Miami effektiv in ein reales Vice City zu verwandeln. Die Marketingmaschinerie läuft auf Hochtouren, während gleichzeitig über eine mögliche PC-Version, anhaltende Leaks und weitere Entwicklungen rund um GTA 6 spekuliert wird. Ob die umstrittenen Werbedeals mit der Stadt zustande kommen, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Release am 19. November wirft seine Schatten voraus, und Miami steht im Zentrum einer der größten Marketingkampagnen der Unterhaltungsgeschichte.