Mehrere brasilianische Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences haben sich mit einem offenen Brief an die internationale Öffentlichkeit gewandt, um auf die bevorstehende zweite Runde der Präsidentschaftswahlen in Brasilien aufmerksam zu machen. Zu den Unterzeichnern zählen die Oscar-nominierten Filmschaffenden Kleber Mendonça Filho, Wagner Moura, Emilie Lesclaux, Fernando Meirelles, Alê Abreu und Petra Costa sowie der Oscar-prämierte Produzent Rodrigo Teixeira, der für «I’m Still Here» ausgezeichnet wurde.
In dem Schreiben äußern die Unterzeichner ihre Besorgnis über die politische Lage im Land und rufen dazu auf, die Entwicklung der Wahl genau zu verfolgen. Der Brief richtet sich ausdrücklich an ein internationales Publikum und soll die Aufmerksamkeit auf den zweiten Wahlgang lenken, in dem sich entscheidet, wer die Präsidentschaft Brasiliens übernimmt. Die Initiative kommt aus dem Kreis der brasilianischen Filmschaffenden, die in der Academy vertreten sind und damit über eine internationale Plattform verfügen.
Die Unterzeichner gehören zu den bekanntesten Stimmen des brasilianischen Kinos. Kleber Mendonça Filho wurde für «Bacurau» und «The Secret Agent» international bekannt, Wagner Moura ist sowohl als Schauspieler in «Elite Squad» und «Narcos» als auch als Regisseur von «Marighella» hervorgetreten. Fernando Meirelles erlangte mit «City of God» Weltruhm, während Petra Costa mit der Dokumentation «The Edge of Democracy» die politischen Verwerfungen Brasiliens beleuchtete. Rodrigo Teixeira produzierte «I’m Still Here», der 2025 den Oscar für den besten internationalen Film gewann.
Der offene Brief ist ein seltenes Beispiel dafür, wie Kulturschaffende aus Brasilien sich in einer politisch angespannten Phase zu Wort melden. Die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen gilt als richtungsweisend für die Zukunft des Landes. Die Unterzeichner verbinden mit ihrem Appell die Hoffnung, dass die internationale Gemeinschaft die Ereignisse in Brasilien nicht aus den Augen verliert.
Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ist die Organisation, die jährlich die Oscars vergibt. Ihre brasilianischen Mitglieder vertreten ein Land, dessen Filmindustrie in den vergangenen Jahren zunehmend internationale Anerkennung gefunden hat. Der Brief zeigt, dass viele von ihnen ihre Reichweite nutzen, um auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen in ihrer Heimat hinzuweisen.
Ob der Appell konkrete Folgen haben wird, ist offen. Klar ist jedoch, dass die Unterzeichner mit ihrem Schritt ein Zeichen setzen wollen: Die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen in Brasilien betrifft nicht nur das Land selbst, sondern steht auch im Blickfeld einer globalen Öffentlichkeit, die das Ergebnis mitverfolgt.