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EU geht gegen manipulative In-Game-Käufe vor

Europäische Verbraucherschutzbehörden nehmen zehn Spielefirmen ins Visier, darunter Activision Blizzard und Ubisoft. Im Zentrum stehen undurchsichtige Premium-Währungen, die Spieler zum Überbezahlen zwingen, sowie fehlende Jugendschutzmechanismen.

Die europäischen Verbraucherschutzbehörden haben koordinierte Maßnahmen gegen zehn Videospielunternehmen angekündigt. Im Zentrum der Vorwürfe stehen sogenannte Dark Patterns, also manipulative Design-Tricks, die vor allem Minderjährige und Menschen mit erhöhtem Suchtrisiko gefährden sollen. Die Aktion wird von der italienischen Wettbewerbsbehörde angeführt und von der Europäischen Kommission koordiniert.

Zu den betroffenen Firmen zählen Activision Blizzard, Ubisoft, Riot Games, Supercell, King, Mojang, Crytek, InnoGames, Plarium Europe und PLR Worldwide Sales Limited. Activision Blizzard steht dabei besonders im Fokus: Spiele wie Diablo Immortal und Call of Duty werden erneut untersucht, nachdem bereits frühere Verfahren liefen. Die Behörden kritisieren, dass Spielerinnen und Spieler durch den Einsatz von Premium-Währungen den Überblick über ihre tatsächlichen Ausgaben verlieren.

Ein zentraler Kritikpunkt sind In-Game-Währungen, die in festen Paketen verkauft werden, deren Größe selten exakt zum Preis der gewünschten Items passt. Beispiel Destiny 2: Die Silver-Pakete enthalten 500, 1.000 oder 1.500 Einheiten, doch ein Rüstungsskin kostet zwischen 600 und 1.500 Silver. Wer nur ein bestimmtes Item möchte, muss also mehr Silver kaufen als nötig – und kann den Rest nicht zurück in Echtgeld tauschen. Dieses Prinzip findet sich auch in Fortnite, Call of Duty und vielen anderen Titeln. Die Behörden sehen darin eine Einbahnstraße, die gezielt zu Mehrausgaben verleitet.

Neben den Währungspaketen bemängeln die Ermittler unzureichende elterliche Kontrollmöglichkeiten und schlechten Kundensupport. Die Europäische Kommission erklärte, solche Praktiken machten es insbesondere gefährdeten Gruppen schwer, ihre Ausgaben nachzuvollziehen. Ziel der koordinierten Aktion sei mehr Transparenz und Fairness sowie der Schutz von Verbraucherrechten und Minderjährigen.

Einige Unternehmen reagieren bereits. Fortnite ermöglicht ab dem 14. Oktober den Kauf exakt benötigter V-Bucks. Die Änderung soll auch für Rocket League und Fall Guys auf Xbox, Nintendo, PC, Android, iPhone und im Fortnite-Webshop gelten – auf PlayStation zunächst jedoch nicht. Der Schritt zeigt, dass die Debatte um faire Monetarisierung auch ohne regulatorischen Druck an Fahrt aufnimmt.

Sollte die EU-Koordination erfolgreich sein, könnte sie einen Präzedenzfall schaffen und strengere Regeln für Free-to-Play- und Live-Service-Spiele in ganz Europa nach sich ziehen. Die Untersuchung reiht sich in eine weltweite Entwicklung ein: In den USA hat die Federal Trade Commission bereits Abo-Modelle in Spielen geprüft, die sich leicht abschließen, aber nur schwer kündigen lassen. Auch Sony steht wegen des Verkaufs digitaler Lizenzen in der Kritik und zahlt im Rahmen eines Vergleichs fast acht Millionen Dollar an PlayStation-Kunden.

Für junge Gamerinnen und Gamer bedeutet die Initiative potenziell mehr Klarheit beim Kauf von Skins, Battle-Pässen und virtuellen Gütern. Ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich zu verbindlichen Regeln führen, hängt vom weiteren Verlauf der Untersuchungen ab. Klar ist: Der Druck auf die Spieleindustrie, ihre Geschäftsmodelle transparenter zu gestalten, wächst – und Europa könnte dabei eine Vorreiterrolle einnehmen.

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