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Merkel-Nostalgie in unruhigen Zeiten: Warum die Altkanzlerin wieder viele Menschen bewegt

Fünf Jahre nach ihrem Abschied aus dem Kanzleramt erlebt Angela Merkel eine unerwartete Popularität. Ihr Porträt im Bode-Museum wird länger gezeigt, ihre Autobiografie verkauft sich millionenfach, und bei Lesungen fordern Besucherinnen und Besucher Demokratie und Mäßigung. Für Nachfolger Friedrich Merz wird die Sehnsucht nach Merkels Stil zum Problem.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

Angela Merkel ist zurück im öffentlichen Bewusstsein – und das rund fünf Jahre nach dem Ende ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin. Ihr Porträt des Künstlers Jérémie Queyras im Berliner Bode-Museum zieht so viele Besucher an, dass die Ausstellung bis zum 3. Januar verlängert wurde. Am Nachmittag will Merkel dort Postkarten mit ihrem Porträtmotiv signieren. Die Nachfrage ist groß, und das Phänomen hat einen Namen: Merkel-Mania.

Die 72-Jährige ist auf TikTok präsent, war im Februar erstmals wieder beim CDU-Parteitag und wurde dort gefeiert. Es gab Gerüchte, sie könnte Bundespräsidentin oder Ukraine-Vermittlerin werden, die jedoch schnell dementiert wurden. Ihre 736-seitige Autobiografie «Freiheit» hat sich laut Verlag weltweit mehr als eine Million Mal verkauft. Bei Lesungen und Signierstunden strömen weiterhin Hunderte Menschen. Viele von ihnen verbinden mit Merkel Ruhe und Sicherheit in einer als unübersichtlich empfundenen Zeit.

Bei einer Lesung im Historisch-Technischen Museum Peenemünde beschreibt Marlen Hannemann ihre Faszination: Merkel habe «diese Männer, Putin und so, völlig unaufgeregt im Griff» gehabt. «Wie sie unser Land ganz entspannt geführt hat, das hat mir als Mensch dieses Landes ganz viel Sicherheit gegeben.» Annett Lührmann, die neben ihrem Mann sitzt, sagt: «Sie hat Sachen gemeistert, Corona und die Flüchtlingswelle, das muss erstmal einer anders und besser machen.» Auf der Bühne trägt Merkel diesmal einen roten Blazer, winkt kurz ins Publikum und spricht 90 Minuten lang in ihrem vertrauten Sound – von der Kindheit in Templin bis zur AfD, von «Wir schaffen das» bis zur russischen Annexion der Krim.

Den lautesten Applaus erhält sie, als sie Einsatz für die Demokratie einfordert und ihre Nachfolger einschwört: «Maß und Mitte, das ist Basis und Voraussetzung für den Erfolg demokratischer Parteien.» Für ihren Nachnachfolger Friedrich Merz sind solche Ratschläge ein hartes Brocken. Der CDU-Chef wollte bewusst einen anderen Kurs, versprach Aufbruch und Wende. Doch nach gut einem Jahr im Amt sind seine Zustimmungswerte historisch schlecht. Laut ARD-Deutschlandtrend sind neun von zehn Befragten eher oder sehr unzufrieden mit Merz. Die AfD hat die CDU in bundesweiten Umfragen längst überholt. Merz kämpft um seine Autorität und hadert mit dem Koalitionspartner SPD.

Der Meinungsforscher Peter Matuschek vom Institut Forsa sieht in der Merkel-Nostalgie auch eine Reaktion auf die Gegenwart. Eine Mehrheit sage, Merz regiere nicht besser als sein Vorgänger Olaf Scholz. «Bei Merkel fällt das Urteil noch eindeutiger aus. Da mag natürlich auch ein bisschen Nostalgie im Spiel sein. Aber Merkel hatte eben auch in ihrer aktiven Zeit sehr, sehr hohe Zustimmungswerte.» Merz' Anspruch von «CDU pur» und einer Rückkehr zu einer profilierteren, konservativeren Linie sei ein Grundirrtum gewesen. «Auf der Wählerebene ist das komplett nach hinten losgegangen. Denn selbst bei ihrer letzten Wahl hatte Merkel immerhin noch ein Ergebnis von knapp 33 Prozent.» Mit Merz erreichten CDU/CSU im Februar 2025 noch 28,6 Prozent, in Umfragen liegt die Union aktuell bei 18 bis 20 Prozent.

In der CDU wird die Merkel-Nostalgie mit Interesse beobachtet. Ihr Auftreten wirke für viele nach wie vor glaubwürdig bescheiden, bodenständig und unprätentiös, heißt es. Die Welt habe in ihrer Regierungszeit klarer und übersichtlicher gewirkt. Merkel habe den Eindruck vermittelt, die damaligen Krisen seien beherrschbar gewesen – was nur teilweise stimmte. Viele Jüngere, die mit Merkel als Kanzlerin groß geworden sind, sehnten sich nach dieser Sicherheit und nach ihrem verbindenden, unpolemischen Politikstil zurück.

Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg-Essen sieht darin eine Reaktion auf die «Aufregungsdemokratie». «In Zeiten unserer Aufregungsdemokratie tut es gut, diese Merkel'sche Empörungsverweigerung mitzuerleben», sagt der emeritierte Professor. «Präsidiale Leutseligkeit – überparteilich, provozierend unpathetisch – ist ungewöhnlich für die Berliner Republik der Wichtigtuer.» Merkel spreche, zumal nach ihrem Abschied aus dem Amt, keine technokratische Sprache. «Jeder versteht sie.» Ob sich die Sehnsucht nach Merkel auch in politische Unterstützung für ihre Nachfolger übersetzt, bleibt offen. Klar ist: In einer Zeit knapper Mehrheiten, hitziger Debatten und multipler Krisen wirkt die Ära Merkel für viele wie ein Gegenbild – und für Friedrich Merz wie eine Bürde.

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