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Chinesische Arbeiter streiken in Ust-Luga wegen ausstehender Löhne

Hunderte Beschäftigte des Großprojekts Baltic Chemical Complex protestierten gegen monatelange Lohnrückstände. Die viral verbreitete Behauptung, Tausende hätten Polizeifahrzeuge blockiert, ist deutlich schlechter belegt.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OU erstellt.

Auf der Baustelle des Baltic Chemical Complex bei Ust-Luga in der russischen Region Leningrad haben chinesische Arbeiter wegen ausstehender Löhne protestiert. Die dokumentierte Auseinandersetzung ist bereits erheblich: Hunderte Beschäftigte legten die Arbeit nieder und forderten Geld, das ihnen nach eigenen Angaben seit Monaten zusteht.

Nach Angaben von China Labor Watch begann der Streik am 26. Juni 2026. Am 30. Juni zogen erneut Hunderte Arbeiter zu Büros der China National Chemical Engineering & Construction Corporation Seven, kurz CC7. Einzelne Beschäftigte berichteten demnach von Lohnrückständen von bis zu fünf Monaten.

Weil sie offenbar kein übliches Material für Protestplakate hatten, verwendeten die Arbeiter Bettlaken aus ihren Unterkünften als Banner. Der improvisierte Protest richtete sich gegen ein sehr großes Unternehmen auf einem sehr großen Projekt.

Die offizielle Website des Baltic Chemical Complex nennt CC7 als EPC-Auftragnehmer. Das Werk entsteht im Bezirk Kingisepp und soll nach der Planung bis zu drei Millionen Tonnen Polyethylen pro Jahr produzieren. Es ist technologisch mit dem größeren Gasverarbeitungskomplex in Ust-Luga verbunden.

Die Beschwerden der Arbeiter betreffen nicht nur das Gehalt. China Labor Watch berichtet, einige Beschäftigte hätten keine eigenen Kopien ihrer unterschriebenen Arbeitsverträge erhalten. In einer späteren Zusammenfassung von Fällen aus den Jahren 2025 und 2026 nennt die Organisation außerdem wiederkehrende Vorwürfe: drei bis acht Monate Lohnrückstand, einbehaltene Pässe, Einschränkungen beim Verlassen von Baustellen und undurchsichtige Subunternehmerstrukturen.

Anfang Juli meldete der chinesischsprachige Arbeitsrechts-Account „海外家园“, dass einige Arbeiter bereits Rückflüge nach China gebucht hätten, aber weiterhin um Löhne und Pässe kämpften. In einem weiteren Beitrag hieß es, die Polizei sei zu einem Protest wegen der offenen Zahlungen und Unterkunftskosten gekommen.

Aus diesem Polizeieinsatz entwickelte sich im Netz eine deutlich spektakulärere Erzählung. In einem Live-Thread auf Reddit wurde behauptet, Tausende chinesische Bauarbeiter hätten Polizeifahrzeuge umstellt, einen Kollegen befreit und die Beamten zum Rückzug gezwungen. Der ausführlichere Bericht von China Labor Watch über den 30. Juni spricht von Hunderten Demonstrierenden und bestätigt diese gesamte Abfolge nicht.

Für die soziale Bedeutung des Konflikts ist diese Übertreibung nicht nötig. Mehrere Monate ohne Lohn sind für Wanderarbeiter besonders belastend, weil sie nicht nur vom monatlichen Einkommen, sondern häufig auch von Unterkunft, Reiseorganisation und Dokumenten abhängig sind, die über den Arbeitgeber oder Vermittler laufen.

Hinzu kommt die Größe des Projekts. Die chinesische staatliche Vermögensaufsicht SASAC hatte den Vertrag früher als eines der größten Auslandsprojekte eines chinesischen Unternehmens dargestellt. Je größer die öffentliche Bedeutung eines solchen Vorhabens, desto schwerer wiegt der Eindruck, dass elementare Verpflichtungen gegenüber Beschäftigten nicht zuverlässig erfüllt werden.

Auch lokale russische Medien haben die Präsenz chinesischer Arbeiter in Ust-Luga dokumentiert. 47news berichtete im November 2025 über den Tod eines 34-jährigen chinesischen Schweißers bei einem Sturz auf einer Baustelle und bezeichnete CC7 als wichtigen Auftragnehmer des Megaprojekts.

Entscheidend ist nun, ob die ausstehenden Löhne bezahlt und die von Arbeitern angesprochenen Dokumentenprobleme gelöst werden. Gelingt das, kann der Konflikt abklingen. Bleibt die Lage unverändert, dürfte Ust-Luga nicht nur wegen seiner Industrieanlagen, sondern auch wegen der Arbeitsbedingungen auf den Baustellen weiter Aufmerksamkeit erhalten.

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