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Wagenknecht weist Steigbügelhalter-Vorwurf bei Lanz zurück

In der Talkshow bei Markus Lanz gerieten Sahra Wagenknecht und AfD-Chef Tino Chrupalla inhaltlich stark in Harmonie. Während die Journalistin Melanie Amann darin ein Paradebeispiel für die Querfront sieht, wehrt sich die BSW-Chefin gegen den Vorwurf, ihre Partei mache Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten.

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In der Talkshow von Markus Lanz ist es am Montagabend zum Schlagabtausch über die politische Lage in Sachsen-Anhalt gekommen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) nach dem Erdrutschsieg der AfD bei der Wahl zum Ministerpräsidenten spielen könnte. Die BSW-Vorsitzende wies dabei den Vorwurf entschieden zurück, ihre Partei mache sich zum Steigbügelhalter für die AfD.

Zwischen Wagenknecht und AfD-Chef Tino Chrupalla herrschte in weiten Teilen der Sendung Einigkeit. Beide äußerten Fundamentalkritik an den Russland-Sanktionen, der militärischen Unterstützung der Ukraine, den öffentlich-rechtlichen Medien und der Bundesregierung. Diese Übereinstimmung brachte Wagenknecht den Vorwurf der Prinzipienlosigkeit ein. Moderator Markus Lanz erinnerte an ihre frühere Rolle als entschiedene Gegnerin der AfD: „Sie waren sozusagen der fleischgewordene antifaschistische Schutzwall, und jetzt das.“

Die Journalistin Melanie Amann ging noch weiter und bezeichnete das Auftreten der beiden als Paradebeispiel für das Phänomen der Querfront, bei dem sich extrem rechte und extrem linke Positionen annähern. „Eigentlich müsste man jetzt ins Lehrbuch ein Foto von den beiden aufnehmen“, sagte sie mit Blick auf Chrupalla und Wagenknecht.

Wagenknecht ließ diese Kritik nicht gelten. „Das ist unverschämt“, entgegnete sie Lanz, der ihr vorgehalten hatte, das BSW ebne der AfD den Weg. „Nach Ihrer Logik muss jeder die CDU und das Altparteien-Kartell unterstützen.“ Man habe bereits bei der Parteigründung angekündigt, dass die sogenannte Brandmauer eine Idiotie sei. Die eigene Zustimmung mache man davon abhängig, ob vernünftige Inhalte verwirklicht werden könnten.

Hintergrund der Debatte ist die bevorstehende Wahl des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt. Im neuen Magdeburger Landtag könnten die Stimmen der BSW-Abgeordneten darüber entscheiden, ob der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ins Amt kommt. Sollten sich die BSW-Abgeordneten bei der Abstimmung enthalten, könnte Siegmund im dritten Wahlgang, in dem eine einfache Mehrheit genügt, durchkommen. Nach aktuellem Stand kommen sowohl die AfD allein als auch CDU, SPD, Grüne und Linke gemeinsam auf jeweils 39 Sitze.

Amann zeigte sich überzeugt, dass Wagenknecht und das BSW vorhätten, Siegmund zum Ministerpräsidenten zu machen. „Es gibt keine andere Deutung dieser Entscheidung“, sagte die Journalistin mit Blick auf das voraussichtliche Abstimmungsverhalten. Damit bringe man eine Partei an die Macht, die nicht demokratisch sei, und einen Mann mit zweifelhafter Gesinnung.

Wagenknecht brachte in der Sendung erneut den Vorschlag ins Spiel, eine unabhängige Persönlichkeit an die Spitze der Landesregierung zu wählen, die keinem Lager angehört. Einen Namen nannte sie nicht. Chrupalla zeigte sich skeptisch: „Wer soll das denn zum Beispiel sein?“, fragte er und ergänzte, dass ihm für eine solche Lösung die Fantasie fehle. Wagenknecht äußerte zudem Zweifel daran, dass die AfD über das nötige Personal verfüge, um eine Landesregierung zu führen.

Chrupalla warb derweil für Siegmund, den er als beliebt, sympathisch, jung und gutaussehend beschrieb. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse komme kein anderer als Ministerpräsident infrage. „Warum sollten wir jetzt einem Personenwechsel in irgendeiner Weise zustimmen oder einer Knapp-6-Prozent-Partei hinterherlaufen?“, gab der AfD-Bundesvorsitzende zu bedenken. Zugleich deutete er an, dass es möglicherweise Gespräche mit einzelnen CDU-Landtagsabgeordneten gebe, die bereit wären, Siegmund zu unterstützen. „Es gibt sie wohl“, sagte er auf die Frage des Moderators, fügte aber hinzu: „Ich weiß es nicht, mit mir hat keiner gesprochen.“

Amann äußerte zudem Zweifel daran, dass Siegmund das Amt überhaupt anstrebe. „Herr Siegmund hat Schiss vor der Verantwortung“, sagte die Digital-Chefredakteurin der Funke-Mediengruppe. Nach ihrer Einschätzung würde er lieber weiter Würstchen verteilen und auf seiner Simson durch den Wahlkampf fahren, als Regierungsverantwortung zu übernehmen.

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