CIA-Direktor John Ratcliffe hat Russland bei seinem Besuch in Moskau zu ernsthaften Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Krieges gedrängt. Gegenüber FSB-Chef Alexander Bortnikow habe Ratcliffe die militärische und wirtschaftliche Lage Russlands als düster beschrieben und davor gewarnt, dass sie sich weiter verschlechtern werde, berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf amtierende und ehemalige Regierungsvertreter.
Ratcliffe habe keine konkreten Konsequenzen für den Fall angedroht, dass Präsident Wladimir Putin den Krieg fortsetzt. Die US-Regierung hoffe jedoch, dass der Kreml die Einschätzung eines Geheimdienstchefs ernster nehme als Botschaften über diplomatische Kanäle. CIA-Analysten bezweifeln dem Bericht zufolge seit Langem, dass Putins Berater ihm ein ehrliches Bild von den Verlusten und dem Verlauf des Krieges vermitteln.
Vor dem Treffen versicherte Ratcliffe ukrainischen Geheimdienstvertretern demnach, lediglich Russlands Positionen ausloten zu wollen. Zugeständnisse im Namen der Ukraine habe er nicht angeboten. Ob die Mission eine Änderung der amerikanischen Russland-Politik einleitet, ist bislang unklar. Am Donnerstag gab es Berichte, nach denen Ratcliffe Russland bei dem Besuch in Moskau vor einem Angriff auf die Nato gewarnt hat.
Unterdessen setzt Russland seine Angriffe auf die Ukraine fort. Bei neuen Luftangriffen auf Kiew und die Umgebung der Hauptstadt wurden nach Angaben des „Kyiv Independent“ mindestens vier Menschen verletzt. Trümmer beschädigten unter anderem zwei Schulen, eine Sportanlage und ein Wohnhaus. Die Angriffe dauerten über viele Stunden an, von frühem Morgen bis in den Abend waren Explosionen und Flugabwehrfeuer zu hören.
Bei den Angriffen setzte Russland auch strahlgetriebene Drohnen auf Basis des iranischen Shahed-Modells ein. Sie sind deutlich schneller als herkömmliche Drohnen und stellen die ukrainische Flugabwehr vor große Probleme. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden landesweit sieben ballistische Raketen, ein Onyx-Flugkörper, drei Marschflugkörper sowie 222 Drohnen abgefangen. Auch aus Odessa und Saporischschja wurden Explosionen gemeldet.
Der private Post- und Kurierdienst Nova Poshta meldete, dass bei russischen Angriffen in der Nähe von Kiew und in der nördlichen Stadt Sumy Sortierzentren zerstört worden seien. Vier gelenkte Luftbomben hätten das Terminal in Sumy getroffen und zudem drei Lastwagen beschädigt. Alle Mitarbeiter seien unversehrt, der Betrieb laufe weiter. Die Einrichtungen von Nova Poshta wurden seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 wiederholt attackiert.
Angesichts der zunehmenden russischen Angriffe auf Cherson haben die Behörden die Einwohner der südukrainischen Stadt zur Evakuierung aufgerufen. Gouverneur Oleksandr Prokudin schrieb im Onlinedienst Telegram, Familien mit Kindern und ältere Menschen sollten die Stadt verlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Wegen der russischen Angriffe bestehe die Gefahr, dass die Strom- und Wärmeversorgung in der Stadt für längere Zeit ausfallen könnte. In der Nacht zum Donnerstag habe die russische Armee erneut das Fernwärmekraftwerk von Cherson mit Gleitbomben angegriffen und stark beschädigt.
Der ukrainische Auslandsgeheimdienst SZRU teilte unterdessen mit, Beweise dafür erhalten zu haben, dass Russland gezielt Bürger Indonesiens für den Krieg gegen die Ukraine anwirbt. Dem Dienst lägen Dokumente zu mindestens acht indonesischen Staatsbürgern vor, die rekrutiert worden seien. Nach Angaben des Geheimdienstes geht Russland dabei nach einem bereits erprobten Muster vor: Ausländern werde eine hohe Bezahlung, angeblich ungefährliche Tätigkeiten abseits der Kampfhandlungen, eine beschleunigte russische Staatsbürgerschaft sowie diverse soziale Vergünstigungen in Aussicht gestellt.
US-Präsident Donald Trump hat unterdessen Medienberichte über mögliche russische Angriffspläne auf Nato-Territorium zurückgewiesen. Er habe gute Gespräche mit Kremlchef Wladimir Putin geführt, sagte Trump am Donnerstag vor Journalisten im Weißen Haus. „Er wird kein Nato-Gebiet angreifen.“ Hintergrund der Äußerungen ist die Reise von CIA-Chef Ratcliffe nach Moskau am Dienstag.