Spotify zieht bei der Musikentdeckung eine neue Grenze. Ab Mitte September sollen Künstlerprofile, hinter deren öffentlicher Identität keine reale Person steht, mit dem Hinweis „AI Persona“ gekennzeichnet werden. Gleichzeitig nimmt der Dienst diese Profile standardmäßig aus personalisierten Empfehlungen und redaktionellen Auswahlformaten.
Für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland und der Schweiz bedeutet das keine Sperre. Eine AI Persona bleibt über die Suche auffindbar, ihre Musik kann weiterhin abgespielt werden und das Profil lässt sich aktiv verfolgen. Verändert wird vor allem der automatische Weg zur neuen Musik: Der Algorithmus soll einen virtuellen Künstler nicht mehr ohne vorheriges Interesse so einstreuen wie einen menschlichen Act.
Bei der oft verwendeten Formulierung „nur noch über ein Abo“ ist eine Präzisierung wichtig. Spotify verlangt dafür kein zusätzliches Premium-Abo. Gemeint ist das aktive Folgen eines Künstlerprofils über die Schaltfläche Follow. In seinen Hilfeseiten erklärt Spotify, dass das Folgen von Künstlern die Empfehlungen verbessert. Die neue Regel funktioniert daher eher als Opt-in als als Bezahlschranke.
Spotify unterscheidet außerdem zwischen der Identität eines Künstlers und dem Einsatz von KI im Produktionsprozess. Ein realer Musiker wird nicht automatisch zur AI Persona, nur weil er generative Werkzeuge für Texte, Gesang, Instrumente oder Produktion nutzt. Für solche Fälle testet Spotify eigene AI Credits, mit denen einzelne KI-generierte Beiträge innerhalb eines Songs ausgewiesen werden können.
Diese Trennung ist bereits Teil der neuen Verifizierung. Seit April gibt es „Verified by Spotify“ als zusätzliches Authentizitätssignal. Profile, die überwiegend AI-generated oder AI-persona Künstler darstellen, sind dafür nicht zugelassen. Reale Künstler, die KI verantwortungsvoll als Werkzeug verwenden, können dagegen weiterhin verifiziert werden.
Bei der Einstufung will sich Spotify nicht allein auf freiwillige Angaben verlassen. Betreiber virtueller Projekte können den Status selbst angeben, doch der Dienst will besonders reichweitenstarke Profile zusätzlich prüfen. Dabei sollen menschliche Moderation und KI-Werkzeuge kombiniert werden. Wenn die Hinweise noch nicht für eine eindeutige Entscheidung reichen, kann ein Profil zunächst als „Likely AI Persona“ erscheinen. Gegen eine falsche Zuordnung soll Einspruch möglich sein.
Die Maßnahme steht neben strengeren Regeln für andere Formen des Missbrauchs. Spotify entfernt Musik, die ohne Einwilligung die Stimme eines realen Künstlers klont. 2025 teilte das Unternehmen außerdem mit, innerhalb von zwölf Monaten mehr als 75 Millionen Spam-Tracks entfernt zu haben. Generative Systeme haben die Kosten für massenhafte Uploads stark gesenkt und damit auch die Bedeutung von Filtern erhöht.
Bemerkenswert ist, dass Spotify daraus kein allgemeines Verbot für KI-Musik ableitet. Die Plattform versucht vielmehr, drei Fälle auseinanderzuhalten: ein realer Mensch mit KI-Werkzeugen, eine vollständig virtuelle Künstleridentität und eine missbräuchliche Nachahmung einer realen Person. Für jeden Fall gelten andere Regeln.
Ab September wird diese Unterscheidung für Hörer sichtbarer. Eine AI Persona kann weiterhin Fans finden. Sie muss aber stärker darauf setzen, dass Menschen gezielt nach ihr suchen oder ihr folgen. Der Algorithmus übernimmt den ersten Schritt nicht mehr automatisch — und genau darin liegt die eigentliche Veränderung.