Das Oregon Coast Aquarium in Newport hat einen neuen Riesenkraken (Giant Pacific Octopus) auf den Namen Juicebox getauft. Der Name stammt von einer Figur aus der LitRPG-Buchreihe «Dungeon Crawler Carl» von Autor Matt Dinniman. Wie das Aquarium mitteilte, ist es bereits der zweite Oktopus, der nach einem Charakter der Reihe benannt wurde. Die Entscheidung für den Namen Juicebox fiel den Aquarianern zufolge wegen der außergewöhnlichen Fähigkeit von Oktopussen, ihr Aussehen zu verändern und sich ihrer Umgebung anzupassen.
In den Büchern ist Juicebox ein sogenannter Changeling, also ein Wesen, das seine Gestalt nach Belieben wandeln kann. Diese Eigenschaft ähnelt der Tarnfähigkeit von Kraken, die ihre Hautfarbe und -struktur verändern können, um mit Felsen, Algen oder Korallen zu verschmelzen. Die Parallele zwischen der literarischen Figur und dem realen Meeresbewohner war für die Pfleger offenbar naheliegend. Wer die Bücher kennt, weiß zudem, dass sich Juicebox an einer Stelle in Ursula aus «Arielle, die Meerjungfrau» verwandelt – ein weiterer Bezug, der die Namenswahl für einen Oktopus fast schon nahelegt.
Juicebox teilt sich das Becken mit einem 22,5 Pfund schweren männlichen Oktopus namens Donut. Dieser wurde nach Prinzessin Donut benannt, einer weiteren zentralen Figur der Reihe. Die beiden Tiere sind damit lebendige Namenspaten für eine Geschichte, die ursprünglich als Nischen-Literaturgattung im Internet begann und inzwischen eine wachsende Fangemeinde hat. Besucher können Juicebox im Oregon Coast Aquarium in Newport für etwa ein Jahr sehen. Danach soll der Oktopus wieder in sein natürliches Riff entlassen werden.
Die Namensgebung ist nicht nur eine Hommage an eine beliebte Buchreihe, sondern auch ein geschickter Marketing-Schachzug, um mehr Publikum in das Aquarium zu locken. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, doch der Zeitpunkt fällt mit einer bemerkenswerten Entwicklung zusammen: Die Reihe «Dungeon Crawler Carl» erlebt gerade einen rasanten Aufstieg von einer Kult-Erscheinung unter LitRPG-Fans zu einem Phänomen, das zunehmend auch außerhalb der Buchwelt wahrgenommen wird. Allein in diesem Jahr erscheint der achte Band der Serie, dazu kommen Tabletop-Spiele und eine komplette Spielzeugreihe. Zudem wurde eine TV-Adaption bei Peacock bestätigt, die von Seth MacFarlane produziert wird.
Die Idee, Oktopusse nach Figuren aus populären Franchises zu benennen, ist am Oregon Coast Aquarium offenbar keine Eintagsfliege. Erst kürzlich wurde ein Oktopus namens Anakin aus dem Aquarium entlassen – eine Anspielung auf Anakin Skywalker aus «Star Wars». Dass nun mit Juicebox und Donut gleich zwei Kraken nach Charakteren aus «Dungeon Crawler Carl» benannt wurden, zeigt, wie sehr die Reihe in der Popkultur angekommen ist. Ob «Dungeon Crawler Carl» jemals die Größe von «Star Wars» erreichen wird, ist fraglich, doch die Oktopus-Trends scheinen in eine ähnliche Richtung zu weisen.
Für Fans der Bücher ist die Nachricht ein willkommener Anlass, dem Aquarium einen Besuch abzustatten. Die Einrichtung an der Küste Oregons ist bekannt für ihre Haltung von Riesenkraken und bietet mit dem sogenannten Octopus Den eine eigene Ausstellung für diese Tiere. Wer Juicebox sehen möchte, hat dafür etwa ein Jahr Zeit, bevor der Oktopus wieder in die Freiheit entlassen wird. Bis dahin bleibt der Name ein kleines, aber feines Zeichen dafür, wie tief Popkultur inzwischen in den Alltag und sogar in die Tierwelt vordringt.