Auf den ersten Blick liegt Wamani weit außerhalb des deutsch-schweizerischen Blickfelds: 32.000 Hektar in der argentinischen Provinz Mendoza, am Rand der Anden. Trotzdem hat das Projekt einen realen deutschen Bezug. Initiator Martín Varsavsky sagte bereits 2025 gegenüber elDiarioAR, es gebe Interessenten in Deutschland. Seine Frau ist Deutsche, und Varsavsky sitzt im Verwaltungsrat von Axel Springer. Damit ist die Idee eines südamerikanischen Rückzugsortes auch für vermögende Europäer mehr als eine rein argentinische Kuriosität.
Wamani gehört Varsavsky und fünf Mitinvestoren. Er hält nach Angaben der Financial Times 50 Prozent, die andere Hälfte teilen seine Partner. Zu ihnen gehören Alec Oxenford, Mitgründer von OLX und argentinischer Botschafter in Washington, sowie Dan Lubetzky, Gründer von Kind.
Auf dem Gelände sind in den vergangenen zwei Jahren kleine Wohnhäuser, geodätische Kuppeln und eine Landebahn entstanden. Solarpanels sollen die Energieversorgung unabhängiger machen. Die offizielle Website von Wamani nennt außerdem Starlink als Basisverbindung und wirbt inzwischen offen mit Übernachtungen, Bergtouren und weiteren Aktivitäten.
Der oft gebrauchte Begriff vom „Bunker der Milliardäre“ ist dabei zu grob. Lubetzky ist Milliardär. Varsavskys Vermögen wird von der Financial Times auf rund 700 Millionen Dollar geschätzt. Die Eigentümer sind sehr wohlhabende Unternehmer, aber nicht jeder von ihnen ist öffentlich als Milliardär ausgewiesen.
Auch die Investitionssumme wurde in sozialen Netzwerken aufgerundet. Varsavsky sagte der Financial Times, die Gruppe habe bislang fast 10 Millionen Dollar ausgegeben. Daraus wurde in vielen Posts „mehr als 10 Millionen“. Da weitergebaut wird, kann die Summe künftig steigen, doch die aktuelle öffentlich genannte Zahl liegt darunter.
Besonders auffällig ist der digitale Teil des Plans. Die Eigentümer prüfen, große Sprachmodelle auf lokalen Rechnern zu speichern und diese mit Solarstrom zu betreiben. Sollte die globale Serverinfrastruktur ausfallen, könnten zumindest bestimmte KI- und Wissensfunktionen vor Ort verfügbar bleiben. Das wäre kein eigenes Internet im technischen Sinn, sondern eine lokale Daten- und Rechenumgebung ohne permanente Abhängigkeit von der Cloud.
Die physische Vorsorge folgt demselben Prinzip. Auf Wamani soll Vieh gehalten werden. Bei einer möglichen Erweiterung könnten zusätzlich Nutzpflanzen angebaut werden. Quellen und Bäche sind vorhanden, zugleich bleibt Mendoza eine trockene Region. Starke Andenwinde gehören ebenfalls zu den Bedingungen, die sich auch mit viel Kapital nicht abschaffen lassen.
Für europäische Interessenten ist genau diese Mischung entscheidend. Wamani verkauft nicht nur Fläche, sondern geografische Distanz zu den großen politischen und militärischen Spannungsräumen der Nordhalbkugel. Varsavsky hat diese Idee sogar in einen politischen Vorschlag übersetzt: eine „Visa de la tranquilidad“ für vermögende Menschen, die Argentinien als Rückfalloption nutzen wollen. Die Regierung von Javier Milei arbeitet unabhängig davon an einem Modell für Staatsbürgerschaft durch Investitionen.
Gleichzeitig ist Wamani kein streng abgeschotteter Club mehr. Die Website bietet eine Verfügbarkeitsanfrage für Aufenthalte, nennt Unterkunft und Verpflegung und hilft bei der Organisation privater Flüge. Die Financial Times berichtet zudem über Überlegungen zu Airbnb. Die Behauptung, man komme nur über persönliche Beziehungen hinein, passt daher nicht mehr zur aktuellen Außendarstellung.
Für Deutschland und die Schweiz ist Wamani weniger als konkretes Auswanderungsziel interessant als als Signal. Vermögende Unternehmer beginnen, geopolitische Unsicherheit ähnlich zu behandeln wie Geschäftsrisiken: Sie bauen Redundanz auf. Neben mehreren Bankverbindungen oder Lieferanten gehören dazu nun Land, Energie, Transport und lokale Rechenkapazität. Dass sich dafür bereits Interessenten aus Deutschland gemeldet haben, zeigt, wie schnell private Krisenvorsorge zu einem grenzüberschreitenden Markt werden kann.