CIA-Direktor John Ratcliffe hat Russland bei seinem Besuch in Moskau nach übereinstimmenden Medienberichten vor einem Angriff auf Nato-Verbündete gewarnt. Der Chef des US-Geheimdienstes besuchte die russische Hauptstadt am Dienstag. Über den Inhalt seiner Gespräche wurde zunächst wenig bekannt, wie das „Wall Street Journal“ und das Magazin „Politico“ unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen berichteten.
Der CIA-Chef habe Russland vor allem mit Blick auf die östlichen Nato-Partner im Baltikum vor einer Eskalation gewarnt, berichtete „Politico“. Zudem habe er den Kreml gedrängt, seine militärische und finanzielle Unterstützung für den Iran herunterzufahren. Nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen bestätigte Kremlsprecher Dmitri Peskow, dass Ratcliffe für Gespräche „zwischen den Geheimdiensten“ nach Moskau gekommen war. Ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin habe es demnach nicht gegeben.
Der Besuch des CIA-Direktors fällt in eine Phase wachsender Spannungen. Nach Informationen von Bloomberg hält Putin die laufenden Friedensgespräche über den Ukraine-Krieg dem Vernehmen nach für „komplett festgefahren“ und setzt stattdessen auf weitere militärische Eskalation. Moskau erwäge verstärkte Angriffe mit ballistischen Raketen auf das Zentrum von Kiew sowie auf kritische Infrastruktur in anderen Städten. Die von der US-Regierung über rund anderthalb Jahre vermittelten Verhandlungen gelten demnach als gescheitert; beide Seiten stünden heute im Grunde dort, wo sie zu Beginn der Gespräche standen. Innerhalb des Machtzirkels in Moskau wachse die Sorge, Putin könne im äußersten Fall sogar taktische Atomwaffen gegen die Ukraine einsetzen. Pro-Kriegs-Hardliner im russischen Establishment drängen seit Monaten auf eine Abkehr von der Diplomatie, auf eine Generalmobilmachung und Angriffe.
Unterdessen melden die russischen Besatzungsbehörden neue Opfer im Osten der Ukraine. Bei einem Drohnenangriff auf einen Kleinbus im russisch besetzten Teil des Gebietes Luhansk sind nach Angaben des von Moskau eingesetzten Gouverneurs Leonid Passetschnik mindestens neun Menschen getötet worden. Weitere sechs seien verletzt worden, teilte er auf Telegram mit. Demnach war der Bus mit 15 Passagieren auf der Route von Lyssytschansk nach Kadijiwka unterwegs. Die genannte Straße befindet sich rund 50 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Kiew weist regelmäßig Anschuldigungen von Angriffen auf Zivilisten zurück.
In der benachbarten Region Donezk meldeten örtliche Medien zudem einen ukrainischen Angriff mit Marschflugkörpern auf die russisch besetzte Gebietshauptstadt. Den Berichten zufolge gab es vier bis fünf Explosionen. In sozialen Medien kursierten Videoaufnahmen einer riesigen Rauchwolke. Über mögliche Opfer wurde vorerst nichts bekannt.
Nach ukrainischen Drohnenangriffen hat die viertgrößte Ölraffinerie und der zweitgrößte Benzinproduzent Russlands erneut die Verarbeitung von Rohöl eingestellt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Ukrainische Streitkräfte griffen die Produktionsanlagen der Lukoil-Nizhegorodorgsintez-Raffinerie, auch bekannt als NORSI, in Kstowo in der Region Nischni Nowgorod an. „Der Angriff hat das Ziel getroffen, woraufhin ein Feuer auf dem Gelände der Anlage ausbrach“, erklärte der ukrainische Generalstab. Das Ausmaß der Schäden werde derzeit noch ermittelt. Laut Reuters wurden bei dem nächtlichen Angriff mehrere Verarbeitungseinheiten, die Infrastruktur zwischen den Einheiten sowie allgemeine Anlagen der Raffinerie beschädigt. Es ist unklar, wie lange die Anlage außer Betrieb bleiben wird.
In der Nacht waren zudem in Kiew mehrere aufeinanderfolgende Explosionen zu hören, wie der Kyiv Independent vor Ort berichtete. In den meisten Teilen der Ukraine galt zu diesem Zeitpunkt Luftalarm. In der Hauptstadt waren demnach innerhalb von etwa einer Minute mindestens sechs Explosionen zu hören. Auch in den südlichen Städten Odessa und Saporischschja wurden Explosionen gemeldet. Bei dem Angriff auf Saporischschja wurden mindestens drei Menschen verletzt, wie Gouverneur Iwan Fedorow auf Telegram mitteilte.