Der YouTube-Streamer Matthäus Westfal, der unter dem Namen «Aktivist Mann» auftritt, gerät zunehmend in die Kritik von AfD-Politikern. Bei einer Veranstaltung in Merseburg am vergangenen Samstag rempelte er einen Reporter von Spiegel TV an und skandierte anschließend mit einer Gruppe junger Leute Parolen wie «Der Spiegel muss weg» und «Lügenpresse». Der Vorfall wurde gefilmt und verbreitete sich rasch in sozialen Netzwerken.
Der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, betonte auf Anfrage, dass es bei Parteiveranstaltungen Regeln für Berichterstatter gebe. «Wenn dagegen verstoßen wird, dann sprechen wir mit diesen Leuten», sagte er. Man habe das getan. Niemand dürfe mit Gewalt an seiner Arbeit gehindert werden, so Siegmund weiter. Zuvor hatte er Westfal in einem Podcast noch ausdrücklich für dessen Livestreams gedankt und betont, die Bürger hätten dadurch Gelegenheit, den Wahlkampf «ungefiltert» zu verfolgen.
Der AfD-Politiker Hans-Thomas Tilschneider, der dem aufgelösten Höcke-Flügel nahesteht, hatte Westfal auf der Plattform X scharf kritisiert und ihn als «unmöglich» bezeichnet. Er warf dem Streamer vor, bereits in Querfurt körperlich aufdringlich Interviews gestört zu haben. Tilschneider spekulierte sogar über einen Auftrag als «agent provocateur», löschte den Beitrag jedoch später wieder. Auf Nachfrage wollte er sich dazu nicht äußern.
Westfal, der sich selbst als «Gonzojournalist» bezeichnet, ist seit der Coronazeit in der sogenannten Widerstandsszene aktiv. Der Verfassungsschutzbericht von Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2022 führt ihn als «relevanten Multiplikator in der Szene der Delegitimierer» mit Kontakten in weite Bereiche der rechtsextremistischen Szene. Bekannt wurde er unter anderem durch Aufnahmen von den Treppen des Reichstags am 29. August 2020, als er an der Spitze der Menschen stand, die von Polizisten am Eindringen gehindert wurden.
In Merseburg stellte sich Westfal einem Spiegel-TV-Reporter in den Weg und beschuldigte ihn, geschubst zu haben. Der deutlich kleinere Mann habe versucht, an ihm vorbeizukommen, woraufhin Westfal ihm einen Stoß mit der Schulter versetzte und rief: «Hören Sie auf, mich zu schubsen.» Er warf dem Journalisten vor, nur Gewalt zu kennen. Das Team von Spiegel TV musste sich schließlich hinter einem Polizeifahrzeug in Sicherheit bringen.
Kritik kam auch aus den eigenen Reihen der rechten Medienszene. Der Kolumnist Benedikt Brechtken vom Portal Nius schrieb über Westfal: «Wenn der Typ das deutsche Volk ist, bin ich für den Bevölkerungsaustausch.» Zuvor hatte ein Lokaljournalist der «Altmark Zeitung» den Streamer als «YouTube-Dödel» bezeichnet und auf dessen Shirt mit dem Aufdruck «Remigration» hingewiesen, das aus dem Shop eines rechten Medienportals stammt. Westfal arbeitet auch für den «Deutschlandkurier».
Siegmund erklärte, Westfal habe auf anderen Veranstaltungen gezeigt, dass es wichtig sei, dass live gestreamt werde. So habe er etwa die Begegnung mit einem Reporter der ZDF-«Heute Show» begleitet. Es brauche aber ein Niveau, auf dem alle vernünftig arbeiten könnten. Man habe sich bei AfD-Veranstaltungen an die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu halten.