Die US-Regierung verschärft ihren wirtschaftlichen Druck auf den Iran. Finanzminister Scott Bessent kündigte neue Sanktionen gegen mehr als 60 Organisationen, Personen und Schiffe weltweit an, die der Führung in Teheran den Erwerb von Atom- und Raketentechnologie, Einnahmen aus Ölgeschäften und Cyberoperationen ermöglichen. „Jede Art von wirtschaftlichem Engagement mit diesem mörderischen Regime wird die Verantwortlichen der vollen Macht der USA aussetzen“, warnte Bessent auf einer Pressekonferenz.
Das Finanzministerium habe „jeden Knotenpunkt, jeden Vermittler und jedes Netzwerk erfasst, das der Iran für Ölschmuggel und die Umgehung von Sanktionen genutzt hat“, sagte Bessent. Teams aus Finanz-, Außen- und Verteidigungsministerium stünden mit Partnern weltweit in Kontakt, um deutlich zu machen, dass Washington sofortiges Handeln erwarte. Jedem Land werde ein Zeitrahmen gesetzt, um bestimmte Aktivitäten mit Bezug zum Iran einzustellen. Sollten sie nicht handeln, werde man Maßnahmen ergreifen.
Bessent ging nicht näher auf konkrete Schritte gegen einzelne Länder ein und nannte keine Zeiträume. Man habe aber keine unbegrenzte Geduld, sagte er. Jede Institution, die im Auftrag des Irans Geldwäsche ermögliche, werde aus dem US-Dollar-System ausgeschlossen. Noch in dieser Woche werde es eine „große Ankündigung“ zur Sanktionierung eines Finanzinstituts geben. Auf die Frage, ob die Drohungen auch China betreffen, das als Hauptabnehmer iranischen Öls gilt, sagte Bessent lediglich, niemand solle Washingtons Entschlossenheit auf die Probe stellen.
Das Finanzministerium kündigte an, dass sogenannte Sekundärsanktionen gegen Länder und Organisationen verhängt werden könnten, die in fünf Wirtschaftssektoren geschäftlich tätig sind: digitale Vermögenswerte, Technologie, Gold, Luftfahrt und Schifffahrt. Die Ankündigung fällt in eine Phase des Krieges, in der es seit Wochen keine sichtbaren Fortschritte im Ringen zwischen Washington und Teheran gibt. Bisher ist es nicht gelungen, eine Einigung über die Wiederöffnung der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Straße von Hormus zu erzielen oder Teheran zur Einschränkung seines umstrittenen Atomprogramms zu bewegen.
US-Präsident Donald Trump hatte zunächst darauf gesetzt, den Gegner durch militärische Angriffe zu schwächen. Doch auch knapp sechs Monate nach Kriegsbeginn ist weiterhin kein Durchbruch zu erkennen. Iranische Kontrollen des Schiffsverkehrs und die Seeblockade iranischer Häfen durch das US-Militär machen einen verlässlichen Ölhandel weiterhin nahezu unmöglich. Nun wollen die USA „die wirtschaftlichen Lebensadern durchtrennen“, die die iranische Führung und die mächtigen Revolutionsgarden am Leben erhalten, wie es hieß.
Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf reagierte verächtlich auf die Ankündigung. Auf der Plattform X schrieb er, die neuen US-Maßnahmen würden scheitern. Die Amerikaner wüssten, dass niemand auf ihre großspurigen Äußerungen hereinfalle. Die Handelspartner des Irans hätten deutlich gemacht, diese in keiner Weise zu berücksichtigen.
Trotz des ausgeklügelten Systems zur Umgehung der Sanktionen steht Irans Wirtschaft vor einer ihrer bislang schwersten Krisen. Die Inflation stieg zuletzt sprunghaft an, die Landeswährung verlor dramatisch an Wert. Die Infrastruktur des Landes wurde durch den vor rund sechs Monaten begonnenen Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zudem erhöht die US-Blockade iranischer Häfen den Druck weiter.
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz warnte jedoch vor übertriebenen Erwartungen. Die iranische Wirtschaft stecke in ernsthaften Schwierigkeiten, „ist aber noch weit von einem Zusammenbruch entfernt“, schrieb er auf X. Sollte Trump wirklich glauben, dass der Iran vor dem Kollaps stehe und zusätzlicher wirtschaftlicher Druck Teheran zur Kapitulation zwingen werde, „könnte er bald an die Grenzen dieser Annahme stoßen“. Der Iran sei nach wie vor in der Lage, militärisch und wirtschaftlich erhebliche Kosten für die USA und deren Verbündete am Golf zu verursachen. Teheran habe deutlich gemacht, dass es bereit sei, „die Situation zu eskalieren, anstatt den Druck auf unbestimmte Zeit einfach hinzunehmen“.
Unterdessen wurde in der Straße von Hormus erneut ein Öltanker angegriffen. Er sei vor der Küste des Omans von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen worden, meldete die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO). Der Maschinenraum sei beschädigt und das Schiff manövrierunfähig, hieß es.