Wireva

Ungarns Außenministerium füllte Szijjártó-Pressekonferenzen mit Mitarbeitern

444 berichtet, dass Ministeriumsmitarbeiter bei Pressekonferenzen des damaligen Außenministers Péter Szijjártó Plätze besetzen mussten, während unabhängige Journalisten kaum eingeladen wurden.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OU erstellt.

Bei Pressekonferenzen des früheren ungarischen Außenministers Péter Szijjártó saßen nach Recherchen von 444 nicht nur Journalisten vor dem Podium. Beschäftigte des Außenministeriums seien gezielt in die Säle geschickt worden, um freie Plätze zu besetzen und den Eindruck einer gut besuchten Veranstaltung zu erzeugen.

Quellen aus dem Ministerium schilderten dem ungarischen Medium einen festen Ablauf. Abteilungen bekamen mitgeteilt, wie viele Mitarbeiter sie zu einem Termin schicken sollten. Rund 50 bis 60 Plätze galt es zu füllen. Die Beschäftigten mussten mindestens 30 Minuten vorher erscheinen und vor Szijjártós Ankunft bereits schweigend auf ihren Stühlen sitzen.

Nach der Veranstaltung durften sie nicht sofort gehen. Aufstehen sollten sie erst, wenn der Minister den Saal verlassen hatte. Falls sich nicht genügend Freiwillige fanden, wurden Teilnehmer von ihren Vorgesetzten eingeteilt. Damit wurde die Größe des Publikums nicht allein durch journalistisches Interesse bestimmt, sondern durch interne Personalorganisation.

Gleichzeitig beschreibt 444 den Zugang für unabhängige Medien als stark eingeschränkt. Redaktionen, die mit kritischen Fragen den geplanten Ablauf hätten durchkreuzen können, seien praktisch nicht eingeladen worden. Einer der befragten Mitarbeiter sagte, bei manchen Terminen habe er nur einen echten Journalisten gesehen, einen Vertreter der staatlichen Nachrichtenagentur MTI. Er berichtete außerdem von einer Situation, in der ein Mitarbeiter der Pressestelle eine Frage vorgeschlagen habe.

Der Unterschied ist für die Bewertung wesentlich. Ein Ministerium darf selbstverständlich eigene Beschäftigte zu Veranstaltungen schicken. Problematisch wird die Konstruktion dann, wenn diese Mitarbeiter sichtbar Plätze einer Presseveranstaltung füllen, während unabhängige Reporter keinen vergleichbaren Zugang erhalten. Das Bild einer vollen Pressekonferenz sagt dann wenig darüber aus, wie viele voneinander unabhängige Redaktionen tatsächlich Fragen stellen dürfen.

444 beschäftigt sich mit dieser Frage schon länger. Die Redaktion verlangte vom Außenministerium Listen der Medien, die Einladungen zu Szijjártós Pressekonferenzen erhielten. 2024 gewann sie den Rechtsstreit um die Herausgabe der Informationen. Im August 2025 erklärte 444, es habe die Vollstreckung des Urteils beantragt, weil das Ministerium die Daten weiterhin nicht übermittelt habe. Bereits in diesen Artikeln hieß es, große Teile der Presse könnten an den Terminen nicht teilnehmen.

Heute ist Szijjártó nicht mehr Außenminister. Die offizielle Website der ungarischen Regierung nennt Anita Orbán als Außenministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin. Die von 444 beschriebenen Vorgänge gehören damit zur Amtszeit der vorherigen politischen Führung.

Offen bleibt, wie breit die Praxis angewendet wurde. Wenn Abteilungen regelmäßig konkrete Teilnehmerzahlen erhielten, könnten entsprechende E-Mails, interne Kalender oder Personalvermerke existieren. Solche Unterlagen würden zeigen, ob es sich um einzelne besonders wichtige Auftritte handelte oder um ein wiederkehrendes Kommunikationsmodell. Ebenso entscheidend wäre, ob sich rekonstruieren lässt, nach welchen Kriterien Redaktionen eingeladen oder ausgeschlossen wurden.

Same event, other desks

Story file →