Zack Snyders lang gehegtes Projekt «The Last Photograph» hat beim Toronto International Film Festival seine Weltpremiere gefeiert. Der Film, an dem Snyder nach eigenen Angaben 15 Jahre gearbeitet hat, lief dort in einer einzigen Vorstellung – ein Umstand, den der Regisseur vor der Aufführung selbst mit der scherzhaften Bemerkung kommentierte, das TIFF-Publikum könne womöglich das einzige bleiben, das den Film je zu sehen bekommt. Eine reguläre Kinoveröffentlichung gibt es bislang nicht; der Film sucht noch nach einem Verleih.
Die Handlung beginnt auf einer exklusiven Geburtstagsfeier in Kolumbien, bei der ein amerikanischer Diplomat erschossen und seine Kinder von Bewaffneten entführt werden. Der Auftragsfotograf Joe Wallace, gespielt von Fra Fee, ist im Nebenraum, als die Schüsse fallen, und hält mit seiner Kamera fest, wie die Diplomatengattin Catherine vor seinen Augen getötet wird. Statt zu helfen, bittet er um Vergebung und drückt ab. In der Folge macht sich Catherines Bruder Ethan, ein ehemaliger Spezialagent, auf die Suche nach Joe, um die Täter zu identifizieren und die entführten Kinder zu retten. Was folgt, ist eine Reise zweier Männer durch eine feindselige Landschaft.
Snyders Film verfolgt die Idee, dass Joe die Gewalt der Welt durch seine Kamera einfangen will, doch dieser Ansatz wird nach Einschätzung der Kritik nicht konsequent ausgelotet. Zwar kehrt das Motiv des Fotografierens immer wieder, doch Joe ist nicht einmal die Hauptfigur – diese Rolle fällt Ethan zu, der von Stuart Martin als wortkarger, kompromissloser Kämpfer verkörpert wird. Die beiden Männer bleiben über weite Strecken nebeneinander, ohne wirklich miteinander zu interagieren; ihr Verhältnis entwickelt sich kaum. Das Ergebnis ist ein Buddy-Film, in dem die Protagonisten weder befreundet noch wirklich gegnerisch miteinander umgehen.
Visuell setzt Snyder auf seine bekannte, überhöhte Bildsprache, doch die Kritik bemängelt eine Mischung aus Langatmigkeit und drastischer Gewaltdarstellung. Die 135 Minuten Laufzeit füllen sich mit Landschaftsaufnahmen, die kaum unterscheidbar wirken, und mit Szenen, in denen Blutvergießen durch ständige Wiederholung seine Wirkung verliert. Wiederkehrende Schmetterlingsmotive, Tattoos und Fernsehbilder sollen den Wandel andeuten, bleiben aber an der Oberfläche. Auch die Darstellung Südamerikas wird kritisiert: Sie bestehe aus einem Konglomerat wilder, aggressiver Stämme, die vor allem als leichte Ziele für Ethans Rachefeldzug dienten.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Figurenzeichnung. Joe und Ethan sind verschlossene, stoische Männer, die Gefühle nur in Momenten extremer Not ausdrücken. Joes angebliche Lust am Nervenkitzel wird vor allem im Dialog behauptet, während der Film nie durch seine Linse blickt – eine auffällige Auslassung für ein Werk, das sich mit fotografischer Bildgewalt auseinandersetzt. Die einzige greifbare Eigenschaft Joes ist seine Drogensucht; in nahezu jeder Szene spritzt er Heroin. Die Kritik vergleicht den Film mit Alex Garlands «Civil War», der dasselbe Thema deutlich treffsicher behandle. Statt die Notwendigkeit zu hinterfragen, Gewaltbilder festzuhalten, greife Snyder auf Motive zurück, die er bereits in «Sucker Punch» und «Batman v. Superman» verwendet habe.
Die schauspielerische Leistung von Stuart Martin wird als passend grimmig und imposant beschrieben, auch wenn seine Vergangenheit in der Region kaum Bedeutung für die Rettungsmission erhält. Vereinzelt gebe es Momente echten Psychodramas, in denen Snyders eigene Erfahrung mit dem Verlust eines Kindes durchscheine und Ethan eine rechtschaffene Wut verleihe. Diese Augenblicke seien jedoch selten und mündeten meist in effiziente, mühelose Gewaltausbrüche. Insgesamt hinterlässt «The Last Photograph» den Eindruck eines Films, der große Ideen ankündigt, sie aber nicht einlöst.