Zwei Monate vor den US-Zwischenwahlen beginnt an diesem Mittwoch in Dallas ein politisches Experiment: Die Republikanische Partei hält erstmals in ihrer Geschichte einen großen Parteitag ab, bei dem Präsident Donald Trump die zentrale Rolle spielt. Trump selbst steht bei den Midterms nicht auf dem Wahlzettel, gewählt werden auf Bundesebene nur die neuen Kongressabgeordneten und ein Drittel der Senatoren. Dennoch will Trump an beiden Abenden der Veranstaltung im American Airlines Center sprechen, zur Eröffnung und zum Abschluss.
Die Planung gilt als riskant, denn Trumps Beliebtheitswerte sind historisch schlecht. In einer aktuellen Reuters/Ipsos-Umfrage liegt seine Zustimmung nur noch bei 33 Prozent, dem niedrigsten Wert seiner Präsidentschaft. Andere Erhebungen zeigen, dass die wirtschaftliche Lage und die Lebenshaltungskosten seine Bilanz belasten. Besonders heikel für die Partei: 46 Prozent der registrierten Wähler glauben laut einer Umfrage der Financial Times und Focaldata, dass Trumps Rolle im Midterm-Wahlkampf den Erfolgsaussichten republikanischer Kandidaten schadet.
Daraus entsteht ein Dilemma für die Partei. Einerseits brauchen die Republikaner Trump, um ihre MAGA-Basis zu mobilisieren. Andererseits drohen die Zwischenwahlen zu einer Abstimmung über den Präsidenten und seine Politik zu werden, die immer mehr Amerikaner ablehnen. Viele Kandidaten in umkämpften Rennen gehen deshalb auf Abstand zu Trump und bleiben dem Parteitag in Dallas fern. Dutzende haben ihre Teilnahme abgesagt, zumal sie für ihre Anwesenheit offenbar zunächst 25.000 Dollar aufbringen sollen.
Der republikanische Kandidat Tom Barrett aus dem umkämpften Bundesstaat Michigan sagte dem Sender NBC: „Ich kann nicht kontrollieren, was der Präsident auf dem Parteitag sagen wird, aber ich kann kontrollieren, wo ich bin und was ich tue.“ Andere Kandidaten nannten die Veranstaltung im Vorfeld eine „Zeitverschwendung“ oder kritisierten die chaotische Planung. Sie wollen sich lieber um ihren Wahlkampf vor Ort kümmern als um die Trump-Show in Dallas.
Joe Gruters, Parteivorsitzender des Republican National Committee, spricht dennoch von einer „Trumpalooza“, einem Trump-Spektakel, bei dem man die „America First“-Agenda präsentieren werde. „Präsident Trump wird die Republikaner hinter unserer gemeinsamen Vision vereinen, die Dynamik steigern und einen unglaublichen Parteitag für unsere Partei ausrichten“, so Gruters. Zwischen Trumps Reden sollen ihm treu ergebene Vertreter der republikanischen Machtelite auftreten: Vizepräsident JD Vance, House Speaker Mike Johnson, die Senatoren Ted Cruz und Tim Scott, Texas-Gouverneur Greg Abbott sowie Finanzminister Scott Bessent und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Auch Trumps Sohn Donald Trump Jr. ist angekündigt.
Auf der Rednerliste fehlen dagegen Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth. Das hat offenbar einen strategischen Grund: Im Wahlkampf soll es möglichst nicht um den bei vielen Wählern unpopulären Krieg gegen den Iran und seine teuren Folgen gehen. Stattdessen soll Trumps Versprechen eines „Goldenen Zeitalters“ für Amerika im Mittelpunkt stehen.
Die Wahl des Veranstaltungsortes Texas ist kein Zufall. Dort findet einer der überraschendsten Senatswahlkämpfe des Jahres statt. Der republikanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton tritt gegen den Demokraten James Talarico an, der ausgerechnet in diesem traditionell tiefroten Bundesstaat bessere Chancen hat, als Trump lieb sein kann. Mehrere Umfragen sehen ein enges Rennen.