In der russischen Region Pensa ist an einer großen Erdgaspipeline eine Explosion ausgebrochen. Nach Angaben der Regionalregierung stieg am Dienstag eine bis zu 70 Meter hohe Stichflamme über der Leitung auf. Betroffen ist die Pipeline «Zentralasien–Zentrum» nahe dem Dorf Woltschkowo, wie die russische Zeitung «Kommersant» unter Berufung auf die Behörden berichtete.
Die Behörden sperrten die Leitung nach dem Vorfall ab und unterbrachen den Gasfluss. Durch die Hitze geriet auch die umliegende Vegetation in Brand. Nach bisherigen Angaben gab es weder Tote noch Verletzte. Die Ursache der Explosion war zunächst unklar. Ob die Gasversorgung durch den Vorfall längerfristig beeinträchtigt wird, ist noch nicht bekannt.
Die betroffene Leitung gehört zum russischen Staatskonzern Gazprom. Sie ist Teil eines rund 5.000 Kilometer langen Pipelinesystems, das Russland mit den zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan verbindet. Das System gilt als wichtige Infrastruktur für den Gastransport in der Region.
Der Vorfall fällt in eine Phase des Krieges, in der die Energieinfrastruktur beider Seiten immer wieder Ziel von Angriffen ist. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Russland zuvor vorgeworfen, trotz einer angekündigten Energie-Waffenruhe weitere Angriffe auszuführen. Die von US-Präsident Donald Trump verkündete und auf den Energiesektor begrenzte Waffenruhe war am Sonntag überraschend bekannt gegeben worden. Selenskyj sagte auf dem Warschauer Sicherheitsforum, man sei von der Ankündigung überrascht worden. Direkt nach der Veröffentlichung habe Russland einen gezielten Angriff auf ein Kraftwerk in Charkiw durchgeführt, wodurch das ukrainische Energiesystem weiteren Schaden genommen habe. Die Ukraine warte nun auf konkrete Schritte der Amerikaner.
Trump selbst verteidigte seine Haltung zu Russland. Auf die Frage, was er dazu sage, dass Russland die von ihm selbst verkündete Energie-Waffenruhe verletzt habe, sagte er, er müsse sich das erst ansehen, denn es habe Verstöße auf beiden Seiten gegeben. Auf Nachfrage, wie er Putin zur Einhaltung bewegen wolle, sagte Trump, er glaube, dass Putin eine Einigung erzielen wolle. Man müsse den ukrainischen Präsidenten dazu bringen, das ebenfalls zu wollen. Eine weitere Reporterfrage, wo er bei Putin die Bereitschaft für eine Einigung sehe, wenn dieser die Ukraine angreife, bügelte Trump ohne Kritik am Kreml ab: «Ich glaube, sie werden eine Einigung erzielen. Ich glaube tatsächlich, dass Putin mehr als Selenskyj daran interessiert ist, einen Deal zu machen.»
Unterdessen mehren sich in Europa die Stimmen für eine schärfere Gangart gegenüber Russland. Litauens Ministerpräsident Mindaugas Sinkevičius brachte weitere ukrainische Angriffe auf Rechenzentren in Russland ins Gespräch. «Ich denke, wir sollten Herrn Selenskyj bitten, weitere Rechenzentren in Russland anzugreifen. Vielleicht würde das helfen», sagte er am Montag beim Warschauer Sicherheitsforum. Er reagierte damit auf die Frage, wie Litauen, Polen und andere europäische Staaten ihre Wahlen besser vor ausländischer Einflussnahme schützen könnten. Der Regierungschef sprach sich zudem für eine engere europäische Zusammenarbeit in der Verteidigung aus. Europa müsse seine Verteidigungsindustrie stärken und stärker von den Erfahrungen der Ukraine lernen.
Finnland fordert ein EU-weites Verbot von Touristenvisa für russische Staatsbürger. Solange Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetze, sollten keine entsprechenden Visa mehr ausgestellt werden, erklärte Außenministerin Elina Valtonen am Montag. «Es ist nicht richtig, dass Russen nach Europa reisen und hier die Lebensart und Freiheiten genießen können, während ihr Land die Häuser von Ukrainern bombardiert», sagte sie. Im vergangenen Jahr stellten die Schengenstaaten russischen Staatsbürgern demnach fast 500.000 Touristenvisa aus. Finnland selbst schränkt die Vergabe von Visa für nicht notwendige Reisen bereits seit 2022 ein. Nun fordert Valtonen, die Regeln EU-weit zu verschärfen. Zudem will Helsinki strengere Visabeschränkungen für Personen aus dem Umfeld von Kremlchef Wladimir Putin, russische Sportler sowie aktive und ehemalige russische Kriegsteilnehmer durchsetzen. Ein EU-weites Verbot für Touristenvisa gibt es bislang nicht.
Im Schwarzen Meer meldete Bulgarien am Dienstag Drohnenangriffe auf zwei Schiffe vor seiner Küste. Demnach handelt es sich um den Frachter «Chelsea 3» unter der Flagge Maltas. Der Name des zweiten Schiffes wurde mit «Azov Concord» angegeben. Über Verletzte war zunächst nichts bekannt. Bulgariens Regierungschef Rumen Radev berief das Sicherheitskabinett des Landes ein. Laut Medienberichten machte er Russland für die Angriffe verantwortlich. Er wollte mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte die Lage beraten und den russischen Botschafter in Sofia einbestellen. Erst in der Vorwoche war ein Handelsschiff nach Drohnenbeschuss im Schwarzen Meer gesunken. Bei dem Unglück vor Rumäniens Küste starben zwei Seeleute. Die Ukraine machte Russland für die Angriffe verantwortlich.