Polen hat wegen massiver russischer Luftangriffe auf den Westen der Ukraine die Flughäfen Rzeszów und Lublin vorübergehend geschlossen. Das Einsatzkommando der polnischen Streitkräfte begründete die Maßnahme mit «Operationen der Militärluftfahrt». Sie stehe im Zusammenhang mit den russischen Angriffen und diene der Vorsorge für den Fall einer Verletzung des polnischen Luftraums. In Teilen der Woiwodschaften Podkarpackie und Lubelskie wurden Warnmeldungen des polnischen Katastrophenschutzes RCB ausgegeben. Nach vorläufigen Angaben stürzte zudem erneut eine Drohne nahe der polnisch-ukrainischen Grenze ab, rund zwei Kilometer von einem Grenzübergang entfernt. Polnische Militärjets waren während der russischen Angriffe im eigenen Luftraum im Einsatz.
Eine russische Drohne traf am Donnerstagmorgen nach ukrainischen Angaben ein ziviles Handelsschiff im Schwarzen Meer. Das unter tansanischer Flagge fahrende Schiff war auf dem Weg zu einem ukrainischen Hafen. Der Kapitän kam bei dem Angriff ums Leben, drei weitere Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Odessa, Oleh Kiper, wurden die Aufbauten und das Deck des Schiffes beschädigt. Wie schwer die Schäden insgesamt sind, war zunächst unklar. Das ukrainische Infrastrukturministerium warf Russland vor, mit seinen Angriffen auf Häfen und zivile Schiffe die internationale Schifffahrt im Schwarzen Meer zu gefährden.
Trotz eines Vorstoßes von US-Präsident Donald Trump für eine Feuerpause auf Energieanlagen haben Russland und die Ukraine in der Nacht zum Donnerstag erneut gegenseitig angegriffen und dabei auch Energieanlagen ins Visier genommen. In Russland wurde eine Ölraffinerie in Jaroslawl beschädigt, während Moskau nach ukrainischen Angaben Energie-Infrastruktur in den Regionen Sumy und Odessa attackierte. Der Gouverneur der Region Jaroslawl bestätigte einen ukrainischen Drohnenangriff auf die dortige Raffinerie; ein Feuer sei inzwischen gelöscht worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff und erklärte, bei einem ukrainischen Schlag gegen einen Militärflugplatz in Rostow seien Flugzeuge und Hubschrauber beschädigt worden. Wie groß die Schäden tatsächlich sind, ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Die Angriffe kommen nur wenige Tage, nachdem Trump erklärt hatte, Russland und die Ukraine hätten sich auf eine Feuerpause für Energieanlagen verständigt. Selenskyj widersprach dieser Darstellung: Eine entsprechende Vereinbarung gebe es bislang nicht. Die Ukraine sei zu einem solchen Schritt bereit, wenn Russland seine Angriffe ebenfalls einstelle.
Russland hat nach einigen Nächten Pause die Ukraine wieder mit ballistischen Raketen beschossen. Gegen die Hauptstadt Kiew wurden nach Angaben militärnaher Telegramkanäle bis zu sechs umfunktionierte Anti-Schiffs-Raketen vom Typ Zirkon eingesetzt. Ein Reporter hörte mehrere schwere Explosionen in der Stadt. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von Schäden unter anderem an einem Bürogebäude und einem Wohnhaus. Es soll mindestens zehn Verletzte gegeben haben. Medienberichten zufolge kam es in einigen Stadtteilen am Ostufer des Dnipro zu Problemen mit der Wasserversorgung. Auch die Großstädte Dnipro und Saporischschja im Süden wurden nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe mit ballistischen Raketen angegriffen.
Unterdessen erwartet Selenskyj neue westliche Unterstützungspakete, darunter vor allem Mittel zur Flugabwehr. «Wir bereiten neue Treffen mit unseren Partnern in den USA vor», sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Bei den Beratungen werde es um Schritte hin zu einem Frieden mit Russland, die Probleme der ukrainischen Energiewirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Waffen gehen. Es seien auch Gespräche über das in Entwicklung befindliche System zur Abwehr ballistischer Raketen Freyja geplant.
Bei einem russischen Drohnenangriff in der Nacht zum Mittwoch wurde zudem ein Lager in Kiew mit dem Fundus des von Selenskyj mitgegründeten Medienunternehmens «Kvartal 95» zerstört. «Damit haben wir eine große Menge an Kulissen, Kostümen und Gegenständen verloren, die zwanzig Jahre lang Teil unserer Konzerte, Fernsehsendungen, Filme und Serien waren», teilte das Unternehmen mit. Verletzte habe es nicht gegeben. Die Shows der Komödiantentruppe würden dennoch «mit oder ohne Requisiten» fortgesetzt, «denn Lachen ist heute auch ein Teil des Lebens».