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Paul Biya bleibt in Genf: Kameruns Präsident seit über zwei Monaten im Ausland

Der 93-Jährige reiste am 7. Juni zu einem «kurzen privaten Aufenthalt» nach Europa. Die Regierung bestätigt Genf als Aufenthaltsort, während in Kamerun über Nachfolge und Fernregierung gestritten wird.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OU erstellt.

Genf steht seit Wochen im Zentrum einer innenpolitischen Debatte in Kamerun. Präsident Paul Biya verließ Yaoundé am 7. Juni gemeinsam mit seiner Ehefrau Chantal. Die Präsidentschaft sprach damals von einem «kurzen privaten Aufenthalt in Europa». Mehr als zwei Monate später ist der 93-Jährige nach Angaben seiner Regierung weiterhin in der Schweiz. Einen offiziellen Termin für seine Rückkehr gibt es nicht.

Unklar ist also nicht der geografische Aufenthaltsort. Die kamerunische Regierung hat bestätigt, dass Biya sich in Genf befindet. Kommunikationsminister René Emmanuel Sadi erklärte, der Präsident sei bei guter Gesundheit und arbeite von dort aus. Andere Regierungsvertreter betonten ebenfalls, staatliche Akten würden ihm weiterhin vorgelegt. Eine neue, unabhängig bestätigte öffentliche Erscheinung Biyas seit dem 7. Juni wurde jedoch nicht dokumentiert.

Gerade für eine deutschsprachige Leserschaft in der Schweiz und in Deutschland ist die europäische Dimension bemerkenswert. Ein amtierender afrikanischer Präsident hält sich über Wochen in Genf auf und soll nach Darstellung seines Umfelds von dort aus Regierungsaufgaben erfüllen. Die Schweiz übernimmt dadurch keine politische Rolle in Kamerun. Dennoch wird ein Schweizer Aufenthaltsort zum Schauplatz einer Debatte über Transparenz, Verfassungsregeln und die Nachfolge an der Staatsspitze.

Zusätzliche Spekulationen entstanden durch Berichte über Biyas Gesundheit. Einige Medien beriefen sich auf Quellen, die von einer Behandlung, einer Operation oder einem Klinikaufenthalt in der Schweiz sprachen. Die Regierung Kameruns wies die Behauptung einer Hospitalisierung ausdrücklich zurück. Samuel Mvondo Ayolo, Leiter des zivilen Kabinetts des Präsidenten, sagte Le Monde, Biya sei weder operiert noch hospitalisiert worden und arbeite in seinem Hotel. Unabhängig bestätigt sind die medizinischen Behauptungen nicht.

Politisch ist die Lage deshalb heikel, weil Biya seit 1982 regiert und als ältester amtierender Präsident der Welt gilt. Ende 2025 trat er eine achte Amtszeit an, nachdem die Wahl von Oppositionskräften angefochten worden war. Eine Verfassungsänderung von 2008 hatte die Begrenzung der Zahl der Amtszeiten aufgehoben. Für einen großen Teil der Bevölkerung ist Biya damit die einzige nationale Führungsperson, die sie je erlebt hat.

Die aktuelle Abwesenheit trifft zudem auf eine unvollständige Nachfolgeregelung. Im April 2026 wurde das Amt eines Vizepräsidenten wieder in die Verfassungsordnung aufgenommen. Besetzt wurde der Posten bislang nicht. Zugleich gibt es keine konkrete gesetzliche Höchstdauer dafür, wie lange sich ein Präsident im Ausland aufhalten darf. Dadurch entsteht kein automatisches Machtvakuum, aber ein erheblicher politischer Interpretationsspielraum.

Oppositionsparteien sprechen von «Autopilot», «institutionellem Vakuum» und einer Regierung per Fernsteuerung. Diese Begriffe sind politische Wertungen und keine juristische Feststellung, dass Biya amtsunfähig wäre. Die Regierung hält dagegen, dass der Präsident weiterhin Entscheidungen trifft. Anfang August wechselte Biya die Kommandeure von vier der fünf gemeinsamen Militärregionen des Landes aus und beförderte mehrere ranghohe Offiziere.

Der militärische Kontext ist für Kamerun besonders wichtig. Im Norden ist Boko Haram weiterhin eine Bedrohung, im englischsprachigen Westen dauert der separatistische Konflikt an. Die Personalentscheidungen zeigen, dass strategische Befugnisse auch aus Genf ausgeübt werden. Zugleich verdeutlichen sie, wie zentral die Person des Präsidenten im politischen System bleibt.

Auch wirtschaftlich ist die Debatte relevant. Kamerun ist die größte Volkswirtschaft Zentralafrikas, leidet aber unter Stagnation, mangelhafter Infrastruktur und begrenzten Perspektiven für viele junge Menschen. Mehr als 70 Prozent der knapp 30 Millionen Einwohner sind jünger als 35 Jahre. Dieser demografische Gegensatz zu einem 93-jährigen Präsidenten mit mehr als vier Jahrzehnten Amtszeit verstärkt den Ruf nach einem nachvollziehbaren Übergang.

Für die Schweiz ist die Geschichte vor allem ein Beispiel dafür, wie ein privater Aufenthaltsort internationale politische Bedeutung erhält, ohne dass Bern selbst Akteur des Konflikts wäre. Genf ist lediglich der bestätigte Ort, von dem aus Biyas Umfeld seine fortgesetzte Amtsausübung beschreibt. Die eigentliche Entscheidung über Transparenz und Nachfolge liegt in Yaoundé.

Die verifizierbare Lage bleibt daher klarer als viele Gerüchte: Biya reiste am 7. Juni ab, hält sich nach Regierungsangaben in Genf auf, ist seit mehr als zwei Monaten nicht öffentlich nach Kamerun zurückgekehrt und hat keinen Rückkehrtermin bekanntgegeben. Ob und wann sich diese Situation ändert, ist offen. Bis dahin wird jeder weitere Tag in der Schweiz die Frage verstärken, wie belastbar Kameruns politische Institutionen ohne die physische Präsenz ihres langjährigen Präsidenten sind.

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