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Ukrainische Stellenanzeigen zeigen, wie hartnäckig 1C und BAS bleiben

Militäreinheiten, ein Rekrutierungszentrum und das Finanzteam von Diia nennen 2026 weiterhin 1C/BAS-Kenntnisse. Zugleich wächst die ukrainische Verbotsliste, während die deutsche GIZ den ERP-Wechsel finanziell unterstützt.

Рынок ERP в Украине получил большой заказ на замену 1С/BAS

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Die Ukraine gilt in Europa als Vorreiterin digitaler Verwaltungsdienste. Gleichzeitig zeigt der Arbeitsmarkt, wie langsam sich die unsichtbare IT eines Staates verändert. In Stellenanzeigen aus dem Jahr 2026 tauchen Kenntnisse von 1C und BAS weiterhin bei militärischen und staatlichen Finanzfunktionen auf. Das ist kein Beleg dafür, dass moderne ukrainische Apps oder Waffensysteme auf diesen Plattformen laufen. Es ist aber ein deutlicher Hinweis auf fortbestehende Altlasten im Backoffice.

Die Militäreinheit A5118 suchte im März einen Buchhalter und nannte ausdrücklich 1C, 1C Accounting und BAS. Auch die Militäreinheit A4640 verlangte für eine leitende Position in Buchhaltung und Berichtswesen Erfahrung mit 1C und BAS. Beim regionalen Territorialen Zentrum für Rekrutierung und soziale Unterstützung in Kyjiw wurde Erfahrung mit Programmen wie 1C als Vorteil genannt.

Solche Anzeigen sind keine technische Inventarliste. Sie zeigen nicht, welche Version installiert ist, welche Daten verarbeitet werden oder ob bereits eine Migration läuft. Sie zeigen jedoch, dass die Organisation das Wissen weiterhin für praktisch relevant hält. Gerade bei ERP-Systemen kann das aktive Nutzung, Zugriff auf historische Daten oder Unterstützung während eines Umstiegs bedeuten.

Besonders symbolisch ist eine Stelle bei Diia. Das Finanz- und Wirtschaftsteam des ukrainischen Digitalprojekts suchte ab dem 25. Juni einen Ökonomen mit sehr guten Kenntnissen von 1C, BAS oder vergleichbaren Programmen. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass die Diia-App selbst auf 1C basiert. Die Stelle betrifft Finanzberechnungen; für Mobile, Infrastruktur, APIs und Anwendungssicherheit gibt es getrennte technische Teams.

Der Fall zeigt ein bekanntes Muster großer Organisationen. Die sichtbare Benutzeroberfläche wird schneller modernisiert als interne Buchhaltung, Lohnabrechnung oder Berichtssysteme. Ein neues Frontend kann schrittweise veröffentlicht werden. Eine Finanzplattform muss dagegen historische Bestände, Regeln und Schnittstellen fehlerfrei übernehmen, bevor das alte System abgeschaltet werden kann.

In der Ukraine kommt seit 2026 ein klarer rechtlicher Druck hinzu. Der Staatliche Dienst für Sonderkommunikation und Informationsschutz, SSSCIP, nennt 1C und BAS ausdrücklich in seinen Erläuterungen zur Liste verbotener Software. Die Einordnung ist an den sanktionierten Rechteinhaber 1C LLC geknüpft. Die Behörde betont zugleich, dass die Liste ein Instrument der Sanktionspolitik und keine technische Schwachstellenbewertung jeder einzelnen Produktversion ist.

Für betroffene staatliche Systeme bleibt die Rechtsfolge eindeutig. Die Einschränkungen gelten für Systeme, die staatliche Informationsressourcen, dienstliche Daten, Staatsgeheimnisse oder kritische Informationsinfrastruktur verarbeiten. Ein abgeschottetes Netz ohne Internetzugang schafft keine automatische Ausnahme. Verbotene Komponenten können die Sicherheitsfreigabe eines Systems verhindern oder bestehende Genehmigungen gefährden.

Am 17. Juli wurde die Liste von 1.079 auf 1.341 Positionen erweitert. Damit wird Softwareherkunft zu einer alltäglichen Verwaltungsaufgabe. Behörden und Betreiber kritischer Infrastruktur müssen nicht nur Produktnamen, sondern Rechteinhaber, Abhängigkeiten und Einsatzorte kennen.

Für Deutschland ist die Geschichte besonders relevant, weil die GIZ bereits Teil der Lösung ist. Am 28. Juli kündigten IT Ukraine und die deutsche Bundesgesellschaft Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit eine zusätzliche Gutscheinrunde an. Ukrainische Kleinst- und Kleinunternehmen sollen finanzielle Unterstützung erhalten, wenn sie 1C/BAS durch moderne ERP-Systeme ersetzen.

Diese Förderung erklärt die ökonomische Schwierigkeit. Ein ERP-Wechsel bedeutet Datenmigration, Bereinigung von Stammdaten, neue Schnittstellen, Tests, Schulung und oft einen Parallelbetrieb. Für kleine Unternehmen ist das eine große Einmalinvestition. Der gesellschaftliche Nutzen einer geringeren technologischen Abhängigkeit fällt jedoch breiter an als die Kosten bei der einzelnen Firma.

Die ursprüngliche Meldung nannte außerdem Fire Point. MAIR konnte die ukrainische Defense-Tech-Firma als Unternehmen bestätigen, fand aber in den geprüften öffentlich indexierten Stellenanzeigen keinen unabhängigen Beleg für eine 1C/BAS-Nutzung. Dieser Teil der Behauptung bleibt daher unbestätigt.

Die belastbare Geschichte ist auch ohne diese Zuspitzung relevant für den deutschsprachigen Raum. Europas digitale Souveränität wird häufig über Cloud-Anbieter, Chips und Telekommunikation diskutiert. Die Ukraine zeigt, dass strategische Abhängigkeit ebenso in der Buchhaltung steckt. Die Modernisierung ist erst abgeschlossen, wenn nicht nur die sichtbaren Dienste, sondern auch die unsichtbaren Verwaltungsprozesse auf einer akzeptierten technologischen Grundlage laufen.

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