Das US-Außenministerium ordnet die Personalpolitik seines diplomatischen Dienstes neu. Bei Auswahl, Ausbildung und Beförderung von Angehörigen des Foreign Service sollen individuelle Leistung, fachliche Fähigkeiten und die konkrete Eignung für den Dienst stärker im Mittelpunkt stehen. Diversity, Equity and Inclusion beziehungsweise DEIA wird dagegen als eigenständiges Karriereziel aus wichtigen Verfahren entfernt.
Der politische Ausgangspunkt liegt im März 2025. Das Weiße Haus wies den Außenminister an, die Kriterien für Verbeamtung und Beförderung aus den Jahren 2022 bis 2025 zu überarbeiten und den eigenen Core Precept zu Diversity, Equity, Inclusion and Accessibility zu streichen. Die Maßnahme war Teil der breiteren Linie der Regierung von Donald Trump, DEI-Programme in Bundesbehörden abzubauen.
Auch in der Verwaltung wurde der Kurs sichtbar. Im Finanzhandbuch des State Department ist die Funktion „Diplomatic Security Diversity, Equity, and Inclusion Operations“ seit dem 6. März 2025 als eingestellt vermerkt. Damit betrifft der Umbau nicht nur Formulierungen in Beurteilungen, sondern auch konkrete Organisationsstrukturen.
2026 erreichte die Reform die Auswahl neuer Diplomatinnen und Diplomaten. Auf seiner aktuellen Karriereseite beschreibt das Ministerium den überarbeiteten Foreign Service Officer Test ausdrücklich als Teil eines leistungsorientierten Auswahlverfahrens. Neu beziehungsweise stärker gewichtet ist logisches Denken; der Bereich „Situational Judgment“ wurde beendet, persönliche Narrative sind nicht mehr Bestandteil des Verfahrens. Wissens- und Englischtests sollen enger an den tatsächlichen Berufsanforderungen liegen.
Gleichzeitig wird die Grundausbildung neu akzentuiert. Das State Department kündigte mehr Gewicht für amerikanische Geschichte, diplomatische Theorie, Wirtschaftsdiplomatie, strategischen Wettbewerb, Verhandlungsführung, öffentliches Auftreten und Führung an. Die Regierung versteht dies als Rückkehr zu professionellem Handwerk und einer klaren außenpolitischen Mission.
Besonders umstritten ist die rückwirkende Bewertung früherer Beförderungen. Das Außenministerium erklärte in einer offiziellen Mitteilung, eine interne Untersuchung habe 295 Foreign-Service-Beschäftigte identifiziert, die 2024 wegen der Einbindung von DEI Chancen auf Beförderung verloren hätten. Die Behörde kündigte Ausgleichsmaßnahmen auf Grundlage früherer Leistungen an. Die Zahl 295 ist eine Feststellung des Ministeriums; die zugrunde liegende Methodik wurde öffentlich deutlich weniger ausführlich dargestellt als das Ergebnis.
Die Berufsvertretung American Foreign Service Association hält Teile der Begründung für überzogen. Sie begrüßt zwar die Wiederaufnahme und Stärkung der Rekrutierung, weist aber darauf hin, dass amerikanische Geschichte, Diplomatie und Verhandlungstechnik schon lange zur Ausbildung gehören. Zudem warnt sie davor, den professionellen Dienst mit jedem Regierungswechsel neuen politischen Loyalitätsmaßstäben zu unterwerfen.
Entscheidend ist deshalb eine juristische Trennlinie. Das Ende von DEI als Personalprogramm bedeutet nicht das Ende des Diskriminierungsschutzes. Das geltende Foreign Affairs Manual schreibt weiterhin vor, dass Ernennungen, Versetzungen und Beförderungen nach Leistung erfolgen müssen. Zugleich verbietet es Diskriminierung unter anderem wegen Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Herkunft, Alter oder Behinderung. Auch Pflichten zur Equal Employment Opportunity und Schulungen gegen Diskriminierung und Vergeltung bleiben bestehen.
Für Deutschland und Europa ist die Personalreform keine unmittelbare innenpolitische Frage, aber sie prägt die Menschen, mit denen Regierungen, Unternehmen und Institutionen künftig in US-Botschaften und bei Verhandlungen arbeiten. Welche Fähigkeiten Washington belohnt und welche Offiziere schneller in Führungspositionen gelangen, wirkt sich langfristig auf Stil und Prioritäten amerikanischer Diplomatie aus.
Der praktische Test beginnt nun mit den nächsten Bewerberjahrgängen und Beförderungsrunden. Erst wenn Daten zu Auswahl, Karriereverläufen und Personalbindung vorliegen, lässt sich beurteilen, ob die Reform tatsächlich mehr fachliche Qualität schafft oder vor allem eine andere politische Philosophie in das Personalwesen einschreibt.