Ben Affleck sieht die US-Politik in einem desolaten Zustand. In einem Interview mit dem Branchenmagazin Variety sagte der Schauspieler, es gebe eine «kollektive Enttäuschung» darüber, wie sich die amerikanische Politik entwickelt habe. «Es gibt niemanden mehr, der denkt: Hey, wir machen das wirklich richtig, die Dinge laufen großartig und ich liebe dieses politische System», so Affleck. «Und das ist ein Problem.»
Der frühere Batman äußerte sich anlässlich seines neuen Films «Animals», eines politischen Thrillers für Netflix. Darin spielt Affleck einen Bürgermeisterkandidaten von Los Angeles, der in die kriminelle Unterwelt verwickelt ist. Die Rolle hatte offenbar Spekulationen befeuert, ob Affleck selbst politische Ambitionen verfolgt. Bereits in den frühen 2000er-Jahren hatte er gelegentlich Interesse an einer politischen Laufbahn erkennen lassen. Zahlreiche Kollegen aus dem Cast sollen ihn ermutigt haben, tatsächlich für ein Amt zu kandidieren. Nun machte Affleck deutlich, dass er daran kein Interesse hat.
Als Grund nannte er unter anderem den Zustand des politischen Betriebs. «Wir stellen nicht mehr die Frage: Was sind deine Qualifikationen für ein öffentliches Amt?», sagte er. «Es heißt: Willst du in den Zirkus? Wer ist der größte Schausteller?» Affleck kritisierte zudem, dass es in der Politik nicht mehr um das Dienen an den Menschen gehe, sondern um Geld und das Einwerben von Spenden. Statt über Inhalte zu sprechen, werde ein «adoleszentes Spiel» gespielt, bei dem es darum gehe, den anderen möglichst gut lächerlich zu machen oder möglichst reduktiv und dumm über ein Thema zu reden.
Der Schauspieler, der seit Langem die Demokraten unterstützt und seit Al Gore im Jahr 2000 jeden demokratischen Präsidentschaftskandidaten unterstützt hat, sagte, er könne «viele Dinge» nennen, die aus seiner Sicht in den USA falsch liefen, ebenso wie Lösungsvorschläge. Konkrete Beispiele nannte er jedoch nicht. Stattdessen formulierte er eine grundsätzliche Erwartung an politische Führung: «Ich denke, was in der Politik fehlt, ist, dass man führen muss. Man kann die Leute nicht nur erschrecken. Man kann sie nicht nur beschimpfen. Man kann sie nicht belehren. Man kann ihnen kein schlechtes Gewissen einreden. Man muss sie inspirieren. Sonst wollen sie nicht für dich stimmen.»
Auf die Frage, warum er nicht selbst in die Politik gehe, antwortete Affleck, er bleibe lieber Schauspieler – so «egoistisch» das auch sein möge. «Ich sehe einfach, was für ein schwieriger Knochenjob das ist, und ich mache lieber Filme darüber», sagte er. Damit dürfte die Debatte um eine mögliche politische Karriere des Hollywood-Stars vorerst beendet sein.
Erst in dieser Woche hatte Affleck versucht, Bedenken am Filmproduktionsprozess von Netflix zu zerstreuen. Hintergrund waren frühere Kommentare seines langjährigen Weggefährten Matt Damon. Zugleich räumte Affleck ein, dass «Animals» zahlreiche KI-Elemente enthalte. Zuvor hatte er in diesem Jahr ein KI-Unternehmen für rund 600 Millionen Dollar an Netflix verkauft. Der Film, in dem Affleck einen Bürgermeisterkandidaten spielt, verbindet damit auf mehreren Ebenen Politik, Unterhaltung und die Frage nach dem Einfluss neuer Technologien auf das Erzählen von Geschichten.