Das Animationsstudio Laika hat mit «Wildwood» sein bislang ehrgeizigstes Projekt vorgelegt. Der Stop-Motion-Film, der in den Straßen von Portland, Oregon, spielt, verbindet eine dichte, handgefertigte Bildsprache mit einer fantastischen Erzählung und könnte die Erfolgsserie des Studios bei den Oscar-Nominierungen für den besten animierten Spielfilm fortsetzen.
Laika, das auf Stop-Motion spezialisierte Animationshaus aus Oregon, hat mit seinen ersten vier Filmen «Coraline», «ParaNorman», «Missing Link» und «Kubo and the Two Strings» durchweg Nominierungen in der Königskategorie des Animationsfilms erhalten. «Wildwood» gilt nun als das unbestreitbar ambitionierteste Werk des Studios und könnte diese Serie ausbauen. Die Geschichte folgt einer jungen Heldin, die sich auf einem Fahrrad durch die belebten, heimeligen Straßen von Portland bewegt – eine Welt, die von den Filmemachern mit großer Liebe zum Detail gestaltet wurde.
Schon in den ersten Minuten des Films fällt ein Detail auf, das die Haltung des Studios auf den Punkt bringt: Auf einem Schild neben den Waren eines Geschäfts ist inmitten einer Fülle schnell vorbeiziehender Bilder und visueller Gags der Satz «Enjoy handmade art before it’s gone forever» zu lesen. Diese Botschaft liest sich wie ein augenzwinkernder Kommentar zur eigenen Kunstform – dem aufwendigen, handgemachten Stop-Motion-Animationsfilm, der in einer von digitalen Produktionen dominierten Branche zunehmend selten geworden ist.
Die visuelle Umsetzung von «Wildwood» wird in ersten Kritiken als reich texturiert und transportiv beschrieben. Der Film lädt das Publikum in eine fantasievolle Welt ein, die zugleich vertraut und fremdartig wirkt. Die Stop-Motion-Technik verleiht jeder Figur und jeder Kulisse eine haptische Qualität, die sich deutlich von computeranimierten Produktionen abhebt. Laika bleibt damit seiner Handschrift treu: aufwendig gebaute Sets, liebevoll gestaltete Puppen und eine Bildsprache, die das Handwerkliche betont.
Ein weiterer Anziehungspunkt ist die Besetzung: Carey Mulligan führt das Sprecherensemble an. Die britische Schauspielerin verleiht der Hauptfigur eine zusätzliche Strahlkraft und dürfte damit auch ein erwachsenes Publikum ansprechen, das über das übliche Animationspublikum hinausgeht. Die Kombination aus prominenter Besetzung und künstlerischem Anspruch ist typisch für Laika, das seit jeher versucht, anspruchsvolle Stoffe mit breiter Zugänglichkeit zu verbinden.
Die Handlung ist als Fantasy-Epos angelegt, das in der realen Welt von Portland beginnt und von dort aus in fantastische Gefilde führt. Der Film wurde unter anderem auf dem London Film Festival vorgestellt, wo er als visuell atemberaubendes Stop-Motion-Fantasyepos aufgenommen wurde. Die frühen Reaktionen deuten darauf hin, dass Laika mit «Wildwood» sowohl kritisch als auch kommerziell an die bisherigen Erfolge anknüpfen könnte.
Für das Studio steht dabei einiges auf dem Spiel. Die vier vorherigen Filme etablierten Laika als feste Größe im Animationskino, doch der Markt für Stop-Motion-Produktionen ist hart umkämpft. «Wildwood» setzt bewusst auf die Stärken dieser Technik: Textur, Atmosphäre und eine spürbar handgemachte Ästhetik. Sollte der Film die Erwartungen erfüllen, dürfte er nicht nur die Oscar-Serie des Studios fortsetzen, sondern auch ein jüngeres Publikum für eine traditionelle Animationsform begeistern, die im digitalen Zeitalter immer seltener wird.
Ob «Wildwood» tatsächlich die fünfte Oscar-Nominierung in Folge für Laika einbringt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Die ersten Kritiken legen jedoch nahe, dass das Studio mit diesem Projekt seine bisherige Erfolgsbilanz nicht gefährdet, sondern im Gegenteil seinen Ruf als eine der ambitioniertesten Animationsschmieden der Gegenwart weiter festigt.