Wireva

US-Umfragen zeigen Ghosting auf beiden Seiten der Jobsuche

41 Prozent der befragten Gen-Z-Angehörigen gaben an, Arbeitgeber schon einmal geghostet zu haben. Die oft zitierten 54 Prozent messen jedoch etwas anderes.

Зумеры начали гостить работодателей, но 54% — не доля кандидатов

Tima Miroshnichenko / Pexels · Pexels License · rights

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OU erstellt.

Das Wort Ghosting kommt längst nicht mehr nur aus Dating-Apps. Auch im Recruiting bricht der Kontakt plötzlich ab: Unternehmen melden sich nach Gesprächen nicht mehr, Bewerber verschwinden nach einem Interview oder reagieren sogar nach einem Jobangebot nicht mehr. Zwei US-Umfragen aus dem Jahr 2025 zeigen, dass das Phänomen auf beiden Seiten verbreitet ist. Für Deutschland liefern diese Daten allerdings keine Häufigkeitsmessung; sie beschreiben den amerikanischen Arbeitsmarkt.

NumberBarn befragte im Januar 2025 insgesamt 1.510 Menschen in den 30 größten Metropolregionen der USA. 41 Prozent der Gen-Z-Befragten sagten, sie hätten einen potenziellen Arbeitgeber während eines Bewerbungs- oder Interviewprozesses schon einmal geghostet. Bei Millennials waren es 37 Prozent, bei Generation X 26 Prozent und bei Babyboomern 22 Prozent.

Die Zahl 54 Prozent stammt aus einer anderen Studie. Resumeorg befragte im Juni 2025 insgesamt 1.115 US-Personalverantwortliche. 54 Prozent von ihnen berichteten, mindestens einmal von einem Gen-Z-Kandidaten geghostet worden zu sein, nachdem bereits ein Jobangebot gemacht worden war. Das bedeutet nicht, dass 54 Prozent aller jungen Bewerber Angebote ignorieren. Gemessen wurde der Anteil der Manager mit einer solchen Erfahrung.

Nach einem Angebot kann der Kontaktabbruch verschiedene Formen annehmen. Die befragten Personalverantwortlichen nannten Kandidaten, die zwar zusagten, aber Unterlagen nicht mehr ausfüllten, am ersten Arbeitstag nicht erschienen oder kurz nach dem Einstieg ohne Nachricht verschwanden. Für Unternehmen ist das besonders teuer, weil andere Bewerber zu diesem Zeitpunkt häufig schon abgesagt wurden.

NumberBarn zeigt zugleich die Gegenseite. 61 Prozent aller Befragten sagten, dass sie selbst schon von einem potenziellen Arbeitgeber geghostet worden seien. Von denjenigen, die einen Arbeitgeber geghostet hatten, nannten 49 Prozent ein anderes Jobangebot als Grund; 28 Prozent hatten das Interesse an der Stelle verloren. Der Kontaktabbruch ist damit nicht nur eine Frage von Höflichkeit, sondern auch ein Symptom paralleler Bewerbungsprozesse.

Indeed kam bereits 2023 in einer Befragung von mehr als 9.000 Jobsuchenden und Arbeitgebern in den USA, Kanada und Großbritannien zu einem ähnlichen praktischen Punkt. 54 Prozent der US-Arbeitgeber meinten, bessere Kommunikation und Transparenz könnten Ghosting reduzieren; 43 Prozent verwiesen auf kürzere Auswahlverfahren. Bewerber nannten vor allem bessere Bezahlung, transparente Gehaltsspannen und stärkere Zusatzleistungen.

Die These, Unternehmen hätten die Gen Z durch jahrelanges eigenes Ghosting zu diesem Verhalten „erzogen“, ist damit nicht bewiesen. Sie beschreibt eher einen Vertrauensverlust. Business Insider berichtete über junge Bewerber, die Hunderte Bewerbungen verschicken und auch nach mehreren Interviewrunden nicht immer eine klare Antwort erhalten.

Für deutsche Leser bleibt deshalb vor allem die Mechanik interessant, nicht die Übertragung der Prozentwerte. Wer Bewerber lange warten lässt, riskiert, dass ein anderer Arbeitgeber schneller ist. Und wer als Kandidat wortlos verschwindet, kann sich spätere Chancen verbauen. Verlässliche Kommunikation ist gerade in einem digitalen, stark parallelisierten Bewerbungsmarkt wieder ein Wettbewerbsvorteil.

Same event, other desks

Story file →