Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt hat noch am Wahlabend Proteste in mehreren deutschen Städten ausgelöst. Dabei zeigt sich ein breites, aber zahlenmäßig sehr unterschiedliches Bild: In Frankfurt am Main kamen mehrere Tausend Menschen zusammen, in Hamburg rund 1.500, in Berlin einige Hundert. Für Montagabend und die folgenden Tage sind weitere Kundgebungen angekündigt.
Auslöser ist das vorläufige Ergebnis der Landtagswahl vom 6. September. Nach Angaben der Landeswahlleitung erreichte die AfD 43,8 Prozent der Zweitstimmen und wurde mit großem Abstand stärkste Kraft. Das Ergebnis hat die Debatte über den Umgang der übrigen Parteien mit der AfD ebenso verschärft wie die Forderungen aus Teilen der Zivilgesellschaft nach einem Verbotsverfahren.
In Hamburg versammelten sich am Sonntagabend zunächst deutlich mehr Menschen als angemeldet. Statt der erwarteten 500 Teilnehmer zählte die Polizei am Ende rund 1.500. Der Zug startete an der Reesendammbrücke, führte durch die Innenstadt und auch an AfD-Büros vorbei. Auf der Straße hinterließen Teilnehmer mit Kreide Botschaften wie den Verweis auf die Unantastbarkeit der Menschenwürde.
Die aktuelle Hamburger Zahl ist wichtig, weil in sozialen Netzwerken und in älteren Berichten deutlich größere Werte kursieren. Mehr als 10.000 Menschen protestierten in Hamburg tatsächlich schon früher gegen die AfD: Am 17. Januar 2025 richtete sich eine große Demonstration gegen einen Auftritt der damaligen AfD-Vorsitzenden Alice Weidel. Einen Monat später, am 22. Februar 2025, zählte die Polizei bei zwei zusammengeführten Kundgebungen gegen einen Rechtsruck in der Spitze rund 40.000 Menschen. Diese Zahlen gehören jedoch nicht zu den Protesten nach der Sachsen-Anhalt-Wahl 2026.
Die größte klar bezifferte Demonstration am Wahlabend fand außerhalb Sachsen-Anhalts in Frankfurt am Main statt. Auf dem Römerberg kamen nach Polizeiangaben etwa 2.000 Menschen zusammen; die Veranstalter sprachen von 2.500. Nach einer Kundgebung zog ein Demonstrationszug durch die Innenstadt. Zu den zentralen Forderungen gehörte die Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD.
In Berlin bewegte sich am Sonntagabend ein Protestzug durch das Regierungsviertel zur Landesvertretung Sachsen-Anhalts. Die Polizei sprach von einer Teilnehmerzahl im unteren dreistelligen Bereich. Parallel kamen einige Dutzend Menschen am Brandenburger Tor zusammen. Dort ist für Montag, 7. September, ab 18 Uhr eine wesentlich größere Kundgebung unter dem Titel „NoAfD-Protest“ angemeldet. Die Polizei rechnete im Vorfeld mit bis zu 5.000 Teilnehmern.
Auch in Mainz gab es am Wahlabend eine kleinere Kundgebung mit rund 50 Menschen. Deutschlandfunk berichtete zudem über Proteste in Kiel und Aachen. In Sachsen-Anhalt selbst waren die Reaktionen besonders sichtbar: In Halle versammelten sich am Sonntagabend rund 1.000 Menschen am Steintor. Bereits am Vortag hatte die Polizei in Magdeburg etwa 6.000 Teilnehmer bei Zubringerdemonstrationen zu einem Demokratiefest gezählt.
Die Mobilisierung endet nicht mit dem Wahlwochenende. In Rostock ist für Montagabend um 18.30 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto „nicht mit uns! keine AFD-Regierung in M-V“ am Kröpeliner Tor angemeldet; die Anmeldung nennt bis zu 300 Teilnehmer. In Köln ruft das Bündnis „Köln stellt sich quer“ für Dienstag, 8. September, um 17 Uhr zu einer Kundgebung und Demonstration auf dem Heumarkt auf. In Leipzig mobilisiert das Netzwerk „Leipzig nimmt Platz“ für das kommende Wochenende.
Damit entsteht keine einzelne, zentral organisierte Großdemonstration, sondern eine Folge lokaler Proteste mit unterschiedlichen Trägern und Forderungen. Einige richten sich allgemein gegen Rechtsextremismus und einen politischen Rechtsruck, andere verlangen ausdrücklich die Prüfung eines AfD-Verbots oder wenden sich gegen eine mögliche Regierungsbeteiligung der Partei.
Für die politische Lage in Deutschland dürfte entscheidend sein, ob diese Mobilisierung nach den ersten Tagen anhält. Die nächste belastbare Größenordnung liefert bereits Berlin am Montagabend. Danach werden vor allem die angekündigten Kundgebungen in Köln und Leipzig zeigen, ob aus den spontanen Reaktionen auf das Wahlergebnis eine länger anhaltende Protestbewegung wird.