Bei russischen Angriffen auf die Stadt Saporischschja im Südosten der Ukraine sind mindestens sieben Menschen getötet worden, darunter drei Minderjährige. Zehn weitere Personen wurden verletzt. Das teilte der Militärgouverneur der Region Saporischschja, Mychajlo Semikin, auf der Plattform Telegram mit. Die Gebietshauptstadt sei an mehreren Stellen getroffen worden. Die Such- und Rettungsarbeiten dauern nach seinen Angaben an.
Die Ukraine reagierte mit Gegenangriffen auf das südrussische Gebiet Rostow. Dort geriet ein Ölterminal des Erdölverarbeitungswerks Nowoschachtinsk in Brand. Der Gouverneur der Region, Juri Sljussar, berichtete auf Telegram von Bränden und Schäden an Wohnhäusern. Zudem sei eine Eisenbahnbrücke beschädigt worden. Sechs Menschen benötigten ärztliche Hilfe. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau gab an, in der Nacht 560 ukrainische Drohnen über russischen Gebieten und der annektierten Krim abgewehrt zu haben.
Unterdessen arbeiten die USA, die Ukraine und europäische Partner einem Insider zufolge an einem gemeinsamen Vorschlag zur Beendigung des Krieges, der Russland noch vor dem Winter vorgelegt werden soll. Unterhändler hätten am Freitag in Miami sechs Stunden lang beraten, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person. An den Gesprächen nahmen die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sowie Delegationen aus der Ukraine, Europa und der Nato teil. Diskutiert wurde unter anderem ein Nachkriegspaket mit Sicherheitsgarantien der USA und Europas für die Ukraine, ein Wirtschaftsplan für das Land sowie ein Weg zu einem EU-Beitritt Kiews. Auch über einige Ideen zu Gebietsfragen sei gesprochen worden, ohne dass Details genannt wurden.
Der Kreml teilte mit, dass US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Geburtstag gratuliert hätten. Trump habe Putin während eines Telefonats Erfolg und Wohlbefinden gewünscht und Grüße von Melania übermittelt, sagte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Putin habe sich dafür bedankt. Das Telefonat – laut Kreml das sechste in diesem Jahr – sei positiv verlaufen: Weder Putin noch Trump hätten als Erster auflegen wollen. Putin hatte am Mittwoch seinen 74. Geburtstag gefeiert.
In dem Gespräch wies Putin der Ukraine die Schuld für den aktuellen Stillstand bei den trilateralen Friedensverhandlungen zu. Kiew habe die Gespräche durch Drohnenangriffe auf Moskau während der russischen Parlamentswahl im vergangenen Monat untergraben, sagte Putin laut Uschakow. «Mit dem massiven Drohnenangriff auf Moskau, andere Städte und Wahllokale am Hauptwahltag hat das Regime in Kiew die Möglichkeit einer sofortigen Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses faktisch zunichte gemacht», zitiert Uschakow den Präsidenten. Man werde nun prüfen, wann die Dreiergespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine wieder aufgenommen werden könnten. Bislang beharrt Russland darauf, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Verhandlungen nach Moskau kommen soll, was dieser ablehnt.
Selenskyj hatte am Freitag angedeutet, dass in bestimmten Sektoren Waffenruhen möglich seien. Zudem kritisierte er scharf eine zwischen den USA und Russland vereinbarte Aufhebung von Sanktionen für den Verkauf von russischem Diesel. «Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg, den man beenden und nicht verlängern muss», schrieb Selenskyj auf Telegram. Moskau werde mit weiterem «Terror und Gemeinheiten» danken. Er erneuerte die ukrainische Bereitschaft, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, wenn Russland im Gegenzug die Attacken auf ukrainische Energieanlagen einstellt. Eine Abschwächung der Russland-Sanktionen sei ein Zeichen «offensichtlicher Schwäche».
Unterdessen ist der Gründer des meistgelesenen russischen Militärblogs Rybar, Michail Swintschuk, in Montenegro festgenommen worden. Das teilte Ministerpräsident Milojko Spajić auf X mit, ohne den Namen zu nennen. Rybar bestätigte die Festnahme Swintschuks auf Telegram.