Der Tod einer 28-jährigen Laborangestellten in der sibirischen Region Irkutsk hat international Spekulationen über einen Ausbruch der Lungenpest ausgelöst. Die russische Verbraucher- und Gesundheitsaufsichtsbehörde Rospotrebnadsor teilte jedoch mit, dass in den Proben der Verstorbenen keine Mikroorganismen nachgewiesen wurden, die mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang stehen. Die Frau sei an einer «Lungenentzündung unbekannter Herkunft» gestorben, nicht an Pest. Ein Laborunfall habe nicht stattgefunden.
Die Behörde erklärte, die hygienisch-epidemiologische Lage in der Region Irkutsk sowie in den Städten Irkutsk und Schelechow sei stabil. Es werde ein «Maßnahmenpaket umgesetzt». Der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobsew, betonte am Montag, es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Seit dem Tod der Frau habe es keine neuen Fälle gegeben, in denen Mitarbeiter des Instituts zur Bekämpfung von Pest und Infektionskrankheiten medizinische Hilfe in Anspruch genommen hätten. Zuvor hatte der Telegramkanal «Ljudi Bajkala» berichtet, dass in Irkutsk drei allgemeine Krankenhäuser, eine Kinderklinik und eine Geburtenklinik für mindestens drei Wochen unter Quarantäne gestellt worden seien. Die Mitarbeiter des Instituts stünden an ihrem Arbeitsplatz unter Quarantäne. Bis zu 200 Kontaktpersonen der Verstorbenen seien isoliert worden.
US-Präsident Donald Trump bot Russland am Montag die Hilfe der Vereinigten Staaten an. «Es ist eine heimtückische Erkrankung», sagte Trump vor Reportern. Er betrachte den russischen Präsidenten Wladimir Putin trotz Spannungen als jemanden, mit dem er zusammenarbeiten könne. «Wir werden helfen», so Trump. «Jeder, der ein solches Problem hat, dem helfen wir jederzeit.» Das US-Außenministerium beobachtet den Fall gemeinsam mit der Gesundheitsbehörde CDC und weiteren Behörden. Ein Sprecher forderte die russischen Behörden auf, genaue Informationen schnell und transparent mitzuteilen. Außenminister Marco Rubio sagte, es gebe nur sehr begrenzten Reiseverkehr zwischen den USA und Russland, aber wenn so etwas nach außen dringe, könne es sich schnell ausbreiten. «Ich halte das nicht für einen Grund zur Beunruhigung, aber es ist ein Grund, wachsam zu sein und die Sache im Auge zu behalten», so Rubio.
Der Kreml wies unterdessen Spekulationen zurück. Kremlsprecher Dmitri Peskow rief Journalisten dazu auf, sich «auf die offiziellen Erklärungen» von Rospotrebnadsor zu stützen, anstatt auf «Gerüchte und Spekulationen». Die Behörde hatte bereits mitgeteilt, dass in den biologischen Proben der jungen Frau keine Mikroorganismen nachgewiesen wurden, die mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Verbindung stehen. Die Frau hatte an einem Institut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten gearbeitet. Nach einem Bericht des Onlinemediums «Menschen vom Baikal» könnte sie sich durch ein zerbrochenes Reagenzglas mit dem Lungenpesterreger angesteckt haben. Diese Darstellung wird von den Behörden bestritten.
Lungenpest ist eine schwere Form der durch das Bakterium Yersinia pestis verursachten Pest. Sie kann entstehen, wenn sich die Infektion auf die Lunge ausbreitet. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Lungenpest hochansteckend und kann tödlich verlaufen, wenn sie nicht umgehend behandelt wird. Die Erkrankung ist mit Antibiotika behandelbar, wenn die Therapie früh beginnt. Die Pest kommt laut Robert Koch-Institut (RKI) noch in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor, in Deutschland nicht. Das Risiko der Einreise eines mit dem Pesterreger Infizierten sei gering.