Russland zieht die Zustimmung für das deutsche Generalkonsulat in St. Petersburg zurück. Die Vertretung muss ihre Arbeit spätestens am 18. September einstellen, sämtliche Mitarbeiter sollen Russland bis zu diesem Datum verlassen. Das russische Außenministerium gab die Entscheidung am Montag bekannt und überreichte dem deutschen Geschäftsträger entsprechende Noten.
Damit erreicht der diplomatische Konflikt zwischen Berlin und Moskau binnen weniger Tage eine neue Stufe. Deutschland hatte am 1. September angeordnet, das russische Generalkonsulat in Bonn ebenfalls zum 18. September zu schließen. Zugleich kündigte Berlin das deutsch-russische Abkommen über Kultur- und Informationszentren, wodurch auch das Russische Haus in Berlin betroffen ist. Moskau bezeichnet seine Maßnahmen ausdrücklich als Reaktion darauf.
Die Gegenschritte treffen nicht nur diplomatische Gebäude. Nach Angaben des russischen Außenministeriums müssen auch die deutschen Goethe-Zentren in Russland ihre Tätigkeit beenden. Entsandte Mitarbeiter sollen das Land bereits bis zum 13. September verlassen. Damit schrumpft neben der klassischen Diplomatie auch ein Teil der institutionellen Kulturkontakte, die selbst in politisch angespannten Phasen lange weiterbestanden hatten.
Für Menschen im Nordwesten Russlands ist die Schließung des Generalkonsulats vor allem bei konsularischen und rechtlichen Anliegen relevant. Der Amtsbezirk umfasst neben St. Petersburg unter anderem die Republiken Karelien und Komi sowie die Gebiete Kaliningrad, Leningrad, Murmansk, Nowgorod und Pskow. Visa werden dort allerdings schon seit Juni 2023 nicht mehr bearbeitet. Die deutsche Botschaft in Moskau ist seitdem für Visafragen in ganz Russland zuständig. Die Schließung verlagert deshalb nicht erst jetzt die Visaerteilung, sie beseitigt vielmehr eine regionale Anlaufstelle für andere konsularische Leistungen und für politische Kontakte.
Die aktuelle Runde baut auf einer bereits stark verkleinerten diplomatischen Infrastruktur auf. 2023 führte Russland eine Obergrenze von 350 Beschäftigten für deutsche Vertretungen und Organisationen ein. Berlin reagierte mit der Schließung seiner Generalkonsulate in Kaliningrad, Jekaterinburg und Nowosibirsk. Gleichzeitig sollte Russland vier seiner fünf Generalkonsulate in Deutschland schließen. Übrig blieben auf beiden Seiten jeweils die Botschaft und ein Generalkonsulat. Mit den Entscheidungen zu Bonn und St. Petersburg fällt nun gerade dieser zweite professionelle Standort weg.
Auslöser der jüngsten Eskalation ist ein Sicherheitskonflikt. Die Bundesregierung macht russische staatliche Strukturen für einen Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich, bei dem ein mit Sprengstoff versehenes unbemanntes Fluggerät eine Rolle gespielt haben soll. Berlin wertet den Fall als Teil russischer hybrider Aktivitäten gegen Deutschland. Moskau weist diese Darstellung zurück und bezeichnet die Vorwürfe als unbegründet.
Die Schließungen bedeuten dennoch keinen formellen Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Der russische Vizeaußenminister Alexander Gruschko sagte am 2. September, ein solcher Schritt werde zu diesem Zeitpunkt nicht erörtert, schloss eine weitere Herabstufung aber nicht aus. Die Botschaften in Moskau und Berlin bleiben damit die zentralen politischen und konsularischen Kanäle.
Für Deutschland und die deutschsprachige Grenzregion Europas ist die Entwicklung vor allem ein Signal dafür, wie schmal die direkte institutionelle Verbindung zu Russland geworden ist. Der praktische Alltag der Diplomatie wird stärker in den Hauptstädten konzentriert, während regionale Kontakte wegfallen. Entscheidend wird nun sein, ob beide Regierungen die verbleibenden Botschaftskanäle stabil halten oder der Konflikt um Sicherheitsvorwürfe, Sanktionen und kulturelle Präsenz weitere Einrichtungen erfasst.